Fraunhofer: Power-to-Heat und Elektrolyseure bei Netzentgelten gleichstellen

Vier große Fernwärmeleitungen in einer Baugrube, Power-to-Heat-Anlagen wie Großwärmepumpen und Elektrodenkessel sollten Elektrolyseuren bei Netzentgelten im AgNes-Verfahren gleichgestellt werden.Foto: fottoo / stock.adobe.com
Die direkte Elektrifizierung von Fernwärme ist laut Fraunhofer CINES in vielen Fällen die kosteneffizienteste Form der Dekarbonisierung.
In einer Stellungnahme zum AgNes-Entwurf fordern Forscher:innen des Fraunhofer-Exzellenzclusters CINES, dass künftige Netzentgelte flexible Elektrifizierungsoptionen für Fernwärme und Industrie begünstigen sollten. Daher sollten Power-to-Heat-Anlagen wie Großwärmepumpen und Elektrodenkessel Elektrolyseuren gleichgestellt werden.

Forscher:innen des Fraunhofer-Exzellenzclusters CINES fordern in einer Stellungnahme zum AgNes-Festlegungsentwurf der Bundesnetzagentur (BNetzA), dass der Bund Power-to-Heat-Anlagen bei der Ausgestaltung der künftigen Stromnetzentgelte ab 2029 mit Elektrolyseuren gleichstellt. Im Festlegungsentwurf der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) sieht die BNetzA eine Sonderregel für Elektrolyseure vor: Sofern die Anlagen grünen oder CO2-armen Wasserstoff herstellen, sollen die Netzentgelte – anders als sonstige Verbraucher – von einem Teil der Netzentgelte befreit sein. Damit, so die Begründung der BNetzA, wolle man den flexiblen Systembeitrag der Elektrolyse würdigen.

Diese Regelung sollte man nach Ansicht der CINES-Forschenden identisch auf große und flexibel einsetzbare Power-to-Heat-Anlagen wie Großwärmepumpen und Elektrodenkessel in Industrie und Fernwärme anwenden. Außerdem sollte der Bund dynamische Netzentgelte für Elektrolyseure und Power-to-Heat-Anlagen möglichst früh und idealerweise zeitgleich mit Großbatteriespeichern einführen.

Großwärmepumpen und Elektrodenkessel: kosteneffizient und netzdienlich

„Im AgNes-Entwurf fehlen adäquate Anreize für die Flexibilisierung durch Power-to-Heat-Anlagen als eine der wichtigsten Flexibilitätsressourcen in modernen Energiesystemen“, sagt Mario Ragwitz. Der Professor ist Sprecher von CINES und Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG. Energiesystemstudien von CINES und seiner Mitgliedsinstitute zeigen laut Ragwitz, dass die direkte Elektrifizierung von Fern- und Prozesswärme in vielen Fällen die kosteneffizienteste Form der Dekarbonisierung darstellt und in Verbindung mit Wärmespeichern große, netzdienliche Flexibilität bereithält.

„Wir sind der Auffassung, dass Netzentgelte technologieneutral sein sollten. Das heißt, es sollte ein Level-Playing-Field für alle Optionen bestehen, die gleichwertige Funktionen im Energiesystem erfüllen. Daher müsste eine Sonderbehandlung bei Netzentgelten für flexible und netzdienliche Verbraucher Power-to-Heat ebenso berücksichtigen wie die Elektrolyse“, so Ragwitz. Dies würde zudem die Verdrängung fossiler Brennstoffe in der Wärme nach Grenzkosten unterstützen.

Electrification Action Plan schafft energiepolitischen Rahmen für Power-to-Heat

Die fehlende Besserstellung von Power-to-Heat begründet die BNetzA damit, dass die nationalen Klima- und Energiepläne Deutschlands keine ausdrücklichen Ziele für entsprechende Technologien vorsehen. Erst auf dieser Grundlage erlaubt europäisches Recht eine Sonderbehandlung.

„Diese Begründung sollte vor dem Hintergrund des kürzlich vorgelegten Electrification Action Plans der EU-Kommission neu bewertet werden“, so Mario Ragwitz. Die Kommission schlägt dort vor, den europäischen Endenergieverbrauch bis 2040 zu 46 Prozent zu elektrifizieren, insbesondere auch im Industrie- und Gebäudesektor. Durch den Vorstoß sei absehbar, dass man konkrete Ziele für die direkte Elektrifizierung von Industrie- und Gebäudewärme mit Technologien wie Wärmepumpen und elektrischer Prozesswärme in die nationalen Klima- und Energiepläne aufnehmen wird.

Der Fraunhofer-Exzellenzcluster CINES erarbeitet institutsübergreifend Lösungen für die Energiesystemtransformation. Zum Cluster gehören aktuell folgende Fraunhofer-Institute: Fraunhofer ISE, IEE, ISI, IEG und IWES sowie die Partnerinstitute IOSB-AST, IBP, SCAI, FIT, IFAM, UMSICHT und IISB.

Quelle: Fraunhofer IEG | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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