Zweiseitige Differenzverträge: Verbände fordern Marktwertkorridor

Gelber Arbeitshelm liegt auf Solarmodulen mit Windenergieanlagen im Hintergrund, zweiseitige Differenzverträge für künftige Photovoltaik und Windenergie sollten einen Marktwertkorridor berücksichtigen.Foto: www.freund-foto.de / stock.adobe.com
Die Verbände befürchten höhere Finanzierungskosten und steigenden Gebote in den EEG-Ausschreibungen für Windenergie und Photovoltaik, falls die zweiseitigen Differenzverträge im EEG so kommen, wie im Gesetzentwurf vorgesehen ist.
Neun Verbände aus Energiewirtschaft und Handwerk fordern, die geplanten zweiseitigen Differenzverträge (Contracts for Difference, kurz CfD) im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit einem angemessenen Marktwertkorridor zu versehen. Nach dem aktuellen Gesetzentwurf sollen Betreiber einen Teil ihrer Erlöse zurückzahlen, wenn der durchschnittliche Marktwert ihres erneuerbaren Stroms über dem Zuschlagswert der Anlage liegt. Einen Puffer zur Abfederung zusätzlicher Vermarktungsrisiken bei hohen Börsenstrompreisen oder im Fall von Erlösen der Anlage unterhalb des durchschnittlichen Marktwerts sieht der Entwurf jedoch nicht vor.

Die Verbände warnen deshalb vor höheren Finanzierungskosten und steigenden Geboten in den EEG-Ausschreibungen. Zugleich fordern sie ausreichend Spielraum für direkte Stromlieferverträge (Power Purchase Agreements, kurz PPA).

Pauschaler Jahresmarktwert belastet Anlagenbetreiber

Der derzeitige EEG-Gesetzentwurf bestimmt den Refinanzierungsbeitrag pauschal anhand der Jahresmarktwerte für Wind- und Solarenergie. Da diese Durchschnittswerte die tatsächlich erzielten Erträge einer einzelnen Windenergie- oder Photovoltaik-Anlage nicht abbilden, drohen Betreibern bei Abweichungen Rückzahlungsverpflichtungen für Erlöse, die sie real gar nicht erwirtschaftet haben.

Zusätzlich verbleiben marktbedingte Kostensteigerungen bei der Vermarktung, Bilanzierung und Ausgleichsenergie vollständig beim Anlagenbetreiber, während der Bund Mehrerlöse abschöpft. Dieses ungleiche Risiko werden Banken und Investoren durch höhere Risikoaufschläge einpreisen, was Finanzierungen verteuert und letztlich die EEG-Kosten durch höhere Ausschreibungsgebote ansteigen lässt.

Marktwertkorridor schützt PPA für Industrie und Mittelstand

Ein europarechtlich explizit zulässiger Marktwertkorridor erhält dagegen wichtige Marktpreissignale und schafft den notwendigen Risikopuffer. Er sichert den Spielraum für wettbewerbliche Vermarktungsmodelle wie Power Purchase Agreements (PPA), die Projekte aus der EEG-Absicherung herauslösen. Davon profitieren insbesondere der industrielle Mittelstand sowie stromintensive Zukunftsanwendungen wie Rechenzentren, die erneuerbaren Strom direkt mit ihrem Bedarf koppeln können. Ein Marktwertkorridor sei nicht nur ein Instrument zur Begrenzung von Erlösrisiken, sondern ein zentraler Baustein für mehr Wettbewerb, Vermarktungsfreiheit und die echte Marktintegration der erneuerbaren Energien, so die unterzeichnenden Organisationen.

Die Kernforderungen der Verbände an den Gesetzgeber: Die Allianz appelliert an die Politik, bei der Ausgestaltung der CfD im EEG einen Marktwertkorridor zu verankern, der die tatsächlichen marktwertabhängigen Kosten von Anlagen berücksichtigt. Zudem solle er die Entwicklung von Vermarktungs-, Bilanzierungs- und Ausgleichsenergiekosten einbeziehen und ausreichend Spielraum für wettbewerbliche Vermarktungsmodelle und PPA lassen.

Den gemeinsame Verbändeappell haben der Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke e. V. (BDW), der Bundesverband Erneuerbare Energie e. V. (BEE), der Bundesverband Neue Energiewirtschaft e. V. (BNE), der Bundesverband Solarwirtschaft e. V. (BSW-Solar), der Bundesverband Windenergie e. V. (BWE), der Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. (DGRV), EFET Deutschland, der Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting e. V. (Vedec) sowie der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) unterzeichnet.

Der Verbändeappell zur Ausgestaltung der zweiseitigen Differenzverträge im EEG mit einem Marktwertkorridor ist unter diesem Link zu finden.

Quelle: BSW-Solar | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Schließen