Stromüberschüsse aus Wind und Photovoltaik für KI-Rechenleistung nutzen
Foto: Fabian Stahl Die Bürger-Energie-Genossenschaft im Landkreis Pfaffenhofen eG will Stromüberschüsse aus Windenergie und Photovoltaik künftig für KI-Rechenleistung nutzen. Dafür hat die Genossenschaft nun ein Pilotprojekt gestartet. Zwischen einer Windenergieanlage und einer geplanten Photovoltaik-Freiflächenanlage entsteht derzeit ein dezentrales, modulares KI-Rechenzentrum. Der IT-Spezialist Prior1 fertigt dafür zwei gekoppelte Container: Einen für die IT mit 80 Kilowatt geplanter Leistung und einen für die Rückkühlung. Batteriespeicher, Netzanschluss, Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) und zwei Internetanbindungen sollen sicherstellen, dass das KI-Angebot auch verfügbar ist, wenn kein Überschussstrom anfällt. Die Inbetriebnahme ist für Spätherbst 2026 vorgesehen.
Mit einem Investitionsvolumen von mehr als fünf Millionen Euro setzt die Bürger-Energie-Genossenschaft Pfaffenhofen auf eine neue Form regionaler Wertschöpfung: Strom aus Wind und Solar soll künftig zu KI-Rechenleistung veredelt werden. Über die Plattform Regio AI richtet sich das Angebot an mittelständische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und perspektivisch an öffentliche Nutzer. Das Vorhaben verwirklicht die Genossenschaft ohne öffentliche Fördermittel.
Sie erweitert damit ihr bisheriges Modell aus Energieerzeugung und Stromvertrieb um ein digitales Geschäftsfeld. Dezentral und in Bürgerhand erzeugter Strom aus Wind und Solar wird zur Grundlage für bedarfsgerecht vermarktbare Rechenkapazität. Das ist besonders dann interessant, wenn der Strom bei Überkapazitäten andernfalls abgeregelt oder nur gering vergütet würde.
Zwei Container, eine Aufgabe
Die Genossenschaft hat sich für eine modulare und flexible Container-Lösung für ihr KI-Kraftwerk entschieden. Zunächst prüften die Partner, die IT direkt im Turm eines Bürgerwindrads unterzubringen. Die räumlichen Verhältnisse boten jedoch nicht genügend Platz für Racks, Kühlsysteme und die übrige Infrastruktur. Die eigenständigen Container schaffen nun den erforderlichen technischen Raum und bleibt zugleich modular erweiterbar.
Der IT-Container nimmt die KI-Server sowie die ergänzende Infrastruktur für virtuelle Server, Backups und die Steuerung auf. Der zweite, mit ihm gekoppelte Container, beherbergt die Kältetechnik mit der Rückkühlanlage. Die erste Ausbaustufe ist mit 80 Kilowatt IT-Leistung geplant. Vorgesehen sind fünf Supermicro-Server mit jeweils acht Nvidia-HGX-B300-GPUs.
Die beiden Container bilden laut Genossenschaft eine integrierte Rechenzentrumsinfrastruktur, in der IT, Energieversorgung und Kühlung aufeinander abgestimmt sind. Die erste Ausbaustufe arbeitet mit Luftkühlung. Flüssigkühlung war ursprünglich Teil der Planung, man hat sie für die aktuelle Größe jedoch aus Kosten- und Verfügbarkeitsgründen zurückgestellt. Für spätere, größere Ausbaustufen sind Wasser- oder Hybridkühlung sowie die Nutzung der entstehenden Abwärme vorgesehen.
KI-Rechenleistung verfügbar, auch wenn kein Überschussstrom aus Wind und Photovoltaik anfällt
Der Energiepfad folgt einer klaren Reihenfolge. Den Strom aus Windkraft und künftig aus der geplanten Photovoltaik-Freiflächenanlage speichert man zunächst im Batteriespeicher. Von dort aus wird der KI-Container versorgt. Nur, wenn die lokale Erzeugung und die gespeicherte Energie den Bedarf nicht decken, ergänzt der Netzanschluss die Versorgung. Der Speicher soll so ausgelegt sein, dass er den Container über einen Tag versorgen kann.
Die erste Ausbaustufe trifft auf erhebliche lokale Erzeugungsleistung: Am Windpark stehen drei Windturbinen mit jeweils 4,2 Megawatt Leistung. Ergänzend plant die Genossenschaft den Photovoltaik-Solarpark mit vier Megawatt Leistung und einen Batteriespeicher. Für den Betrieb des KI-Containers will man im Jahresmittel vorrangig Strom aus den eigenen Wind- und künftig auch PV-Anlagen der Bürger-Energie-Genossenschaft nutzen. Den Anteil kalkuliert man ist konservativ auf rund 70 Prozent. Den verbleibenden Bedarf deckt das Konzept bevorzugt mit Strom aus erneuerbaren Energien. Die tatsächlichen Werte werden nach der Inbetriebnahme erfasst.
Souveräne regionale Datenverarbeitung
Das Pfaffenhofener Unternehmen Regio AI übernimmt den Betrieb der Plattform und die Vermarktung der Rechenleistung. Das Angebot richtet sich an Unternehmen und Organisationen, die GPU-as-a-Service nutzen, große Sprachmodelle betreiben oder ihre eigenen Daten über Retrieval-Augmented Generation (RAG) in KI-Anwendungen einbinden wollen.
Die Verarbeitung erfolgt in einer regionalen Infrastruktur statt in einer internationalen Public Cloud. Damit entsteht für mittelständische Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Akteure eine regionale Option für KI-Anwendungen, bei denen Transparenz über Datenhaltung, Zugriffe und Betrieb eine zentrale Rolle spielt.
Fsas Technologies, ein Fujitsu-Unternehmen, bringt Server- und Plattformkompetenz ein und war maßgeblich an der Entwicklung des Gesamtmodells beteiligt. Prior1 fertigt die Container-Infrastruktur, die das Unternehmen im Werk vorinstalliert und anschlussfertig liefert. Die erste Ausbaustufe wird in klassischen Metallcontainern umgesetzt. Für künftige Ausbaustufen sind Container in Holzbauweise vorgesehen. Zur Absicherung des Betriebs sind eine USV, eine automatische Gaslöschanlage, Videoüberwachung, Blitzschutz und ein gesicherter Außenbereich vorgesehen. Für die Kältetechnik kommt das natürliche Kältemittel Propan (R290) zum Einsatz.
Betriebsdaten als Grundlage für die Skalierung der KI-Rechenleistung
Mit der für Spätherbst 2026 vorgesehenen Inbetriebnahme beginnt die nächste Phase des Projekts. Über das Monitoring sollen Daten aus Energieversorgung, Kältetechnik und IT-Betrieb erfasst werden. Sie zeigen, wie viel Überschussstrom aus Windenergie und Photovoltaik man tatsächlich für die KI-Rechenleistung nutzt kann, wann der Netzanschluss die Versorgung ergänzt und wie sich Auslastung, Kühlung und Verfügbarkeit im laufenden Betrieb entwickeln.
Diese Daten fließen in die Planung der nächsten Ausbaustufen ein. Weitere Containerklassen mit rund 250 und 500 Kilowatt sind bereits vorgesehen. Welche Größe zum Einsatz kommt, richtet sich nach der verfügbaren Stromkapazität am jeweiligen Energieerzeugungsstandort. Zudem befinden sich vier weitere Standorte in der Genehmigungsphase.
Quelle: Bürger-Energie-Genossenschaft Pfaffenhofen | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH