Enercity bläst Tiefengeothermie-Projekt in Hannover ab

Eine schematische Darstellung eines Geothermie-Kraftwerks, verkarstete Kalkgesteinsschichten in NRW bieten viel Potenzial.Grafik: VectorMine / stock.adobe.com
Tiefengeothermie ist eine Möglichkeit, regenerative Energie aus dem Untergrund zu nutzen. In Hannover gibt es zwar technisches Potenzial, doch das geplante Vorhaben findet keinen Investor.
In Hannover springt der Investor für das Tiefengeothermie-Vorhaben von Enercity ab. Für die Fernwärme will der Versorger alternative Quellen wie Biomasse und Wärmepumpen einsetzen.

Das von Enercity und Eavor geplante Tiefengeothermieprojekt in Hannover-Lahe zur Versorgung der Fernwärme ist gescheitert. Wie Enercity mitteilte, will Eavor nicht mehr die Rolle des Investors und Projektentwicklers für das Projekt übernehmen. Trotz intensiven Gesprächen in den vergangenen Monaten über alternative Umsetzungsmöglichkeiten sei es nicht gelungen, eine tragfähige Lösung zur Fortführung des Projekts zu finden. Das gefährde den geplante Kohleausstieg nach dem Winter 2027/28 aber nicht. Die zuverlässige Fernwärmeversorgung bleibe gewährleistet.  

„Wir bedauern, dass wir dieses innovative Vorhaben nicht gemeinsam verwirklichen können. Unabhängig davon halten wir an unserem Ziel des vorzeitigen Kohleausstiegs fest und setzen den Umbau der Fernwärmeerzeugung fort. Dabei nutzen wir unterschiedliche Technologien und mehrere unabhängige Wärmequellen. Dieser breite Ansatz ermöglicht es uns, den Kohleausstieg wie geplant umzusetzen“, sagt Aurélie Alemany, Vorstandsvorsitzende von enercity.  

In Hannover-Lahe sollten zwei sogenannte Eavor-Loops mit insgesamt rund 30 Megawatt Wärmeleistung entstehen. Das geschlossene System sollte Erdwärme unabhängig von natürlichen Heißwasservorkommen erschließen und kontinuierlich in das Fernwärmenetz einspeisen. Mit dem Projektende entfällt dieser vorgesehene Erzeugungsbaustein. 

Anders als Hannover treibt die Hansestadt Hamburg ihr Tiefengeothermieprojekt in der Fernwärme weiter voran. Es soll im Winter den Betrieb aufnehmen.

Ersatz durch Biomasse, Klärschlamm und Wärmepumpen

Für den Ersatz des Kohlekraftwerks in Stöcken setze Enercity auf ein dezentrales Portfolio unterschiedlicher Wärmeerzeuger. Dazu gehöretn unter anderem Biomasse- und Klärschlammverwertung, die Nutzung von Großwärmepumpen und Anlagen, die Strom in Wärme umwandeln. Der Umbau sei bereits deutlich fortgeschritten: Der erste Kohleblock ist außer Betrieb, seine Wärmeerzeugung übernehmen fünf dezentrale Anlagen. Weitere Projekte für den Ersatz des zweiten Blocks befänden sich im Bau oder in Planung.  

Das Erzeugungskonzept umfasst zusätzliche Leistungsreserven. Deshalb sind die geplanten 30 Megawatt aus Tiefengeothermie für den vollständigen Ersatz der Kohle kurzfristig nicht entscheidend. Die entfallende Wärmeerzeugung lasse sich innerhalb des übrigen Anlagenportfolios kompensieren.

Mit dem Ausbau der Fernwärme in Hannover steigt perspektivisch auch der Bedarf an zusätzlicher Wärmeerzeugung. enercity prüft deshalb weitere Erzeugungsoptionen und Wärmequellen. Dabei geht es insbesondere darum, das Portfolio langfristig um weitere kontinuierlich verfügbare Wärmeerzeuger zu ergänzen.  

Auch die neue Fernwärmeleitung zur Kirchhorster Straße bleibe Bestandteil der Wärmeinfrastruktur. Sie werde unabhängig vom Tiefengeothermieprojekt benötigt, um zusätzliche Wärme aus der Abfallverwertungsanlage Lahe einzuspeisen.

Quelle: Enercity | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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