Zubau von Batteriespeichern in ersten neun Monaten 2026 fast verdoppelt
Grafik: Scharfsinn86 / stock.adobe.comDer Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland hat deutlich an Fahrt aufgenommen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden mehr als eine halbe Million neue Batteriespeicher mit einer Kapazität von insgesamt rund 8,2 Gigawattstunden (GWh) in Betrieb genommen. Damit stieg die neu installierte Speicherkapazität gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 91 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur durch den Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) hervor. Besonders stark habe laut BSW-Solar-Mitteilung der Markt für Großspeicher zugelegt: Ihr Zubau habe sich mehr als vervierfacht.
„Batteriespeicher entwickeln sich zu einem Wachstumstreiber und Effizienz-Hebel der Energiewende. Sie helfen, das Stromsystem effizienter zu machen und Kosten in Milliardenhöhe einzusparen. Jetzt müssen wir den Speicher-Boom mit einem Speicher-Booster weiter anfeuern“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Zubau in Höhe von deutlich über zehn Gigawattstunden Speicherkapazität.
15 Punkte für den Speicherausbau
Um den Speicherausbau zu beschleunigen, hat der BSW-Solar ferner ein Positionspapier mit 15 Reformvorschlägen veröffentlicht. Sie sollen bestehende Investitionshemmnisse abbauen, vorhandene Stromnetze besser auslasten und unnötige Kosten beim Netzausbau und bei der Förderung erneuerbarer Energien vermeiden helfen.
Im Mittelpunkt stehen dabei drei Maßnahmen: Erstens sollen Batteriespeicher leichter gemeinsam mit Solar- und Windkraftanlagen sowie an Verbrauchsstandorten betrieben werden können. Dafür fordert der Verband einen verbindlichen Anspruch auf faire und flexible Netzanschlussvereinbarungen. Zweitens sollen Verteilnetzbetreiber verpflichtet werden, gezielt netzdienliche Batteriespeicher an Umspannwerken auszuschreiben. Diese können Netzengpässe reduzieren und vorhandene Netzkapazitäten besser nutzbar machen.
Drittens fordert der BSW-Solar Änderungen beim sogenannten Redispatch, also bei der Steuerung von Anlagen zur Vermeidung von Netzengpässen. Künftig sollte die Steuerung am Netzverknüpfungspunkt statt an der einzelnen Erzeugungsanlage ansetzen. So könnte überschüssiger Solarstrom bei vorübergehenden Netzengpässen gespeichert werden, anstatt Solaranlagen abzuregeln.
Die Interessenvereinigung von über 1.000 Solar- und Speicherunternehmen appelliert an Bundestag und Bundesregierung, diese Vorschläge bei den anstehenden gesetzlichen Reformen zum Netzpaket und zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu berücksichtigen.
Fraunhofer-Studie: Anschluss von mehr PV an Umspannwerken
Welches Potenzial in einer besseren Integration von Speichern liegt, zeige eine weitere Studie des Fraunhofer IEE. Demnach können Batteriespeicher an Umspannwerken bisher ungenutzte Netzreserven erschließen. Unter den untersuchten Bedingungen könnte dies ermöglichen, deutlich mehr Solarstromanlagen an vorhandene Verteilnetze anzuschließen – bis hin zu einer Verdopplung der installierten Photovoltaikleistung. Auch der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass über die Option der Spitzenkappung mehr PV und Wind anzuschließen sei. Die Netzbetreibern mauerten aber.
„Batteriespeicher müssen Chefsache werden“, fordert Körnig. „Deutschland kann es sich nicht leisten, immer mehr günstigen Solar- und Windstrom ungenutzt zu lassen, während gleichzeitig über hohe Stromkosten diskutiert wird.“
Haupttreiber des gegenwärtigen Marktwachstums sind Großspeicher. Ihr Zubau hat sich in den ersten neun Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf rund 3,8 GWh mehr als vervierfacht (rund +350%). Damit entfiel etwa die Hälfte der neu installierten Speicherkapazität auf dieses Marktsegment.
Auch bei kleineren Batteriespeichern stieg der Zubau: Die neu installierte Kapazität von Heimspeichern wuchs um 20 Prozent auf 3,2 GWh und bei Gewerbespeichern um 67 Prozent auf rund 0,7 GWh. Kleinstspeicher verzeichneten ebenfalls ein Plus von 33 Prozent auf etwa 0,5 GWh. Das geht aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur durch den BSW-Solar hervor (Stand: 12.10.2026). Weitere Nachmeldungen können diese Zubau-Werte sogar noch erhöhen.
Quelle: BSW-Solar | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH