BSW und BDEW zu Solar-Ausschreibung: Dächer stärker für Photovoltaik nutzen

Photovoltaikanlange auf einem Flachdach. Rheinland-Pfalz führt eine Solarpflicht für Gewerbe-Neubauten ein.Foto: rh2010 -stock.adobe.com
Gestern (15. Juli) hat die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der Solar-Ausschreibungen vom 1. Juni bekannt gegeben. BSW und BDEW mahnen nun zu einem schnelleren PV-Ausbau.

Die Ergebnisse der Auktionen würden erneut die hohe Investitionsbereitschaft in Solartechnik und das ausgezeichnete Verhältnis von Preis und Leistung in der Solarbranche belegen, kommentiert Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW). Gleichzeitig äußert er Bedenken, dass vor allem das Potenzial mittelgroßer Dächer für die Photovoltaik durch die Ausschreibung nicht gut genug genutzt werde.

Große Dächer profitieren von eigener Photovoltaik-Ausschreibung

Körnig zeigt sich erfreut, dass nun Photovoltaik-Anlagen der Megawattklasse auf sehr großen Dächern wieder mittels eigenständiger Auktionen an Marktprämien gelangen können. Das würde auch für diese einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb erlauben. Im Wettbewerb mit ebenerdig errichteten Solarparks in gemeinsamen Ausschreibungen sei dies nicht möglich gewesen. Der BSW hatte dies wiederholt kritisiert.

Ob das Verfahren geeignet ist, die brach liegenden Gewerbedächer im erforderlichen Umfang für den Klimaschutz für die Solarenergie zu aktivieren, müsse sich aber noch zeigen. Dafür müsse man weitere PV-Gebäude-Auktionen abwarten und die Daten genau analysieren.

Bremst die Ausschreibung Photovoltaik für mittelgroße Dächer aus?

Körnig hält Zweifel für angebracht. Die durchschnittliche Leistung der bezuschlagten Anlagen liegt bei 1,3 MW. Dies deute darauf hin, dass sich Projekte auf mittelgroßen Gewerbedächern unterhalb der Megawattschwelle mit der Auktionsteilnahme schwer tun. Bei diesen sei der Aufwand im Verhältnis höher. Dennoch sei die Leistungsklasse zwischen 300 und 750 kW für den Photovoltaik-Ausbau besonders wichtig. In diesem Segment stellt der BSW auf Basis von jüngst veröffentlichten Daten der Bundesnetzagentur im Monat Mai einen Markteinbruch um rund 65 Prozent fest.

Der BSW führt dies vor allem darauf zurück, dass für diese Dächer seit Anfang 2021 ein erfolgreiches Gebot die Voraussetzung ist, um eine Förderung für mehr als 50 Prozent des Solarstroms zu erhalten. Für viele kleinere Unternehmen sei dies keine Option, vermutet der BSW. Er fordert, die Ausschreibungspflicht für diese Anlagen zurückzunehmen. Sie solle nur für Solaranlagen der Megawatt-Klasse gelten.

BDEW: Ausschreibungmengen für Freiflächen und Dächer erhöhen

Auch der Bundesverband der Elektrizitäts- und Wasserwirtschaft lobt den Investitionswillen und die niedrigen Kosten. Doch die jüngst verschärften Klimaschutzziele würden einen regelrechten PV-Boom nötig machen. Deshalb schlägt der BDEW vor, die jährlichen Ausschreibungsvolumina für PV-Dach- und Freiflächen dauerhaft auf jeweils mindestens 5 Gigawatt zu erhöhen. Die Leistungsgrenze für PV-Freiflächenanlagen, die über das EEG gefördert werden, sollte auf 30 MW angehoben werden. Damit der Photovoltaik-Ausbau nicht an fehlenden Flächen scheitert, brauche man auch innovative Konzepte wie Agri-PV oder schwimmende Solar-Anlagen. Zugleich sollten entweder die Bundesländer über die Länderöffnungsklausel nutzen mehr Flächen für die Photovoltaik erschließen oder der Bund eine einheitliche Lösung schaffen.

Auch für die Bedingungen für die Ausschreibung von Dachanlagen müssten verbessert werden. Dazu zählt der BDEW zuerst eine deutliche Erhöhung der ausgeschriebenen Mengen. Außerdem müsste die Anmeldung einfacher werden. Sie sollte beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur als „One Stop Shop“ digital möglich sein.  Auch jenseits der Ausschreibungen müsse es attraktiver für Haushalte und Gewerbe werden, eine PV-Anlage auf dem Dach zu installieren. Deshalb sollten die Anlagenbetreiber die Wahl haben, wie sie den regenerativen Strom nutzen: Zum Eigenverbrauch, für die Belieferung von Dritten im Wohn-Quartier oder zur Vermarktung des Stroms an der Börse.

15.7.2021 | Quelle: BSW, BDEW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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