DUH startet Initiative für Mini-PV = Balkon-Solaranlagen

Steckersolaranlage als Balkonsolaranlage am Balkongeländer installiert.Foto: vlamus / stock.adobe.com
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert von der Bundesregierung, den deutschen Netzbetreibern sowie von Wohnungseigentümer:innen eine radikale Vereinfachung bei der Anmeldung, Anbringung und Inbetriebnahme von Stecker-PV-Geräten. Zudem sollten Bund und Länder Förderprogramme für die Balkonkraftwerke aufsetzen.

Mit der Initiative für Mini-PV will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Energiewende zuhause voranbringen. Steckersolargeräte, sogenannte „Balkonkraftwerke“, sollen Mieterinnen und Mieter aktiv an der Energiewende beteiligen. Die kleinen, steckerfertigen Photovoltaik-Anlagen für den Balkon, den Vorgarten, die Terrasse oder das Garagendach sind eine einfache und effektive Möglichkeit, Strom dezentral zu erzeugen, steigende Strompreise abzufedern und den eigenen Klima-Fußabdruck zu senken. Installierte man in allen Wohnungen in Deutschland Stecker-PV-Geräte, könnte mindestens ein großes Braunkohlekraftwerk vom Netz gehen. Bis 2030 könnte man so über 50 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Diese Option ist bislang in der Bundesrepublik kaum entwickelt, kann aber sofort und ohne größere Probleme umgesetzt werden.

Erklärtes Ziel der neuen Initiative ist es, die Markteintrittsbarrieren für Mini-PV schnellstmöglich aus dem Weg zu schaffen. Denn bislang werden Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland zahlreiche Steine in den Weg gelegt – von der Frage nach dem „richtigen“ Stecker, über den geforderten Zählerwechsel bis hin zur Zustimmung des Vermieters. In den nächsten Wochen und Monaten will die DUH, gemeinsam mit zahlreichen Verbündeten, den nötigen politischen Druck aufbauen, um schnell die dringend benötigten Änderungen der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für Balkonsolaranlagen durchzusetzen. Damit macht die DUH die Energiewende zu einem Mitmachprojekt für die breite Bevölkerung – insbesondere für Mieterinnen und Mieter, nicht wie bislang vor allem für Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer.

Förderung für Balkon-Solaranlagen bundesweit gefordert

„Statt Entlastungspakete nach dem Gießkannenprinzip fordern wir von der Bundesregierung, endlich den viel beschworenen Turbo beim Ausbau der Erneuerbaren zu zünden. Der Abbau aller regulatorischen Hürden bei der Nutzung von Balkonkraftwerken gehört zweifelsfrei dazu“, sagt Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH. „Denn hier liegt ein zentraler Hebel, um die Energiewende endlich zu einem Mitmachprojekt für die ganze Bevölkerung zu machen. Konkret sollte die sinnfreie Diskussion über die Art der Einspeisesteckdose beendet, der kostenlose und schnelle Zählertausch durch die örtlichen Netzbetreiber garantiert und das Wohneigentumsrecht reformiert werden. Was wir brauchen, ist ein bundesweites Förderprogramm für Balkonkraftwerke.“

Till Backhaus, Klimaschutzminister Mecklenburg-Vorpommerns, unterstützt die Initiative für Mini-PV. „Wir sehen den starken Wunsch vieler Menschen in unserem Bundesland, selbst aktiver Teil der Energiewende zu sein. Balkonkraftwerke bieten auch jenen ohne eigene Dachflächen die Möglichkeit, genau dies zu tun. Um hier zusätzlich anzuschieben und alle mitzunehmen, haben wir in Mecklenburg-Vorpommern Anfang November ein 10 Millionen Euro schweres, gleichzeitig einfach zu administrierendes, Förderprogramm aufgesetzt. Hiermit bringen wir die Energiewende in die Wohnzimmer der Menschen“, sagt Backhaus.

Düsseldorf fördert Mini-PV für finanziell schwache Haushalte

In Düsseldorf gibt es seit einigen Jahren ein umfangreiches kommunales Förderprogramm zum klimafreundlichen Wohnen und Arbeiten. „Bei den Balkonkraftwerken haben wir jetzt noch einmal nachgelegt“, sagt Clara Gerlach, Bürgermeisterin von Düsseldorf. „Mit bis zu 600 Euro unterstützen wir Kauf und Installation. Die Düsseldorfer Netzgesellschaft hat außerdem gerade ihre Regelungen angepasst: Wieland Stecker sind nicht mehr gefordert, wenn es eine alternative technische Lösung mit Netz- und Anlagenschutz gibt. Auch das Anmeldeverfahren haben wir vereinfacht. Mir ist es ein besonderes Anliegen, dass auch Menschen aus finanziell schwachen Haushalten nachhaltig Energie produzieren und dabei Geld sparen können. Deswegen erarbeiten wir für diese Haushalte gerade ein entsprechendes Programm zum möglichst kostenfreien Erwerb von Balkonkraftwerken.“

Christian Ofenheusle, Gründer und Geschäftsführer von EmpowerSource sagt: „Es kursieren noch viele Mythen in Bezug auf Balkonkraftwerke, die die Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichern. Fakt ist, dass Balkonkraftwerke gefahrlos auch mit einer handelsüblichen Schuko-Steckdose betrieben werden können. Auch die Frage der sicheren Anbringung ist technisch längst geklärt. Mit einem 600-Watt-Balkonkraftwerk können Haushalte – je nach Ausrichtung und Anstellwinkel – jährlich zwischen 100 und 200 Euro einsparen. Bei steigenden Strompreisen perspektivisch auch mehr.“

Durch die Energiepreiskrise war die Nachfrage nach Mini-PV-Anlagen zwischenzeitlich explodiert. Mittlerweile haben sich die laut Kay Theuer, Geschäftsführer der Priwatt GmbH, die Lieferketten aber wieder stabilisiert. „Wir können den Markt gut versorgen. Die Komponenten sind in der Regel innerhalb von vier Wochen lieferbar“, so Theuer.

Zudem fordert die DUH einen schnellen Aufbau einer europäischen Photovoltaik-Produktion und hat dafür Handlungsempfehlungen vorgelegt, die unter dem nebenstehenden Link zu finden sind.

30.11.2022 | Quelle: DUH | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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