Smart Meter: Netzentgeltreduktion (§14a EnWG) variiert stark nach Wohnort

Die Foto-Collage zeigt einen Strommast vor dramatischen Himmel mit Sonne und Wolken sowie Geldscheinen am linken Rand.Grafik: marcus_hofmann / stock.adobe.com
Smart Meter senken Netzentgelte – doch die Einsparungen variieren regional um bis zu 90 Euro jährlich.
Die Einsparungen durch reduzierte Netzentgelte fallen für Haushalte in Deutschland je nach Wohnort sehr unterschiedlich aus. Eine Analyse der metrify smart metering GmbH zeigt auf Basis von Daten aus über 10.000 Kommunen: Während Haushalte mit steuerbaren Verbrauchern wie Wärmepumpe oder Wallbox in einzelnen Regionen bis zu rund 180 Euro jährlich sparen, liegt die Entlastung andernorts um mehr als 88 Euro niedriger.

Haushalte mit steuerbaren Verbrauchern wie Wärmepumpe, Stromspeicher oder Wallbox tragen über den Einsatz von Smart Meter zur Stabilisierung der Stromnetze bei, indem ihre Geräte bei Netzengpässen kurzfristig gedrosselt werden können. Der entsprechende § 14a EnWG gilt für Neuinstallationen seit Anfang 2024. Als Ausgleich erhalten die Betreiber reduzierte Netzentgelte. Eine Analyse von metrify zeigt jedoch deutliche regionale Unterschiede: Während die jährliche Entlastung in einzelnen Kommunen bis zu rund 180 Euro beträgt, liegt sie andernorts um mehr als 88 Euro niedriger.

Die Höhe der Netzentgeltreduzierung ergibt sich aus den regional unterschiedlichen Netzkosten. Netzbetreiber kalkulieren eine pauschale jährliche Entlastung auf Basis ihrer jeweiligen Netzentgelte sowie typischer Verbrauchswerte steuerbarer Anlagen wie Wärmepumpe oder Wallbox. Da Betrieb und Ausbau der Stromnetze regional unterschiedlich teuer sind, variieren auch die Netzentgelte – und damit die Höhe der Entlastung. Grundsätzlich gilt: In Regionen mit hohen Netzentgelten fällt auch die mögliche Reduzierung für Haushalte in der Regel größer aus.

Dr. Wim Drożak, Geschäftsführer von metrify, betont, dass viele Verbraucher die Vorteile der Netzentgeltreduzierung bislang noch nicht ausreichend kennen und der Smart-Meter-Rollout trotz Fortschritten weiterhin hinter den Erwartungen zurückbleibe. Mit dem weiteren Ausbau dürfte sich die Wahrnehmung jedoch deutlich verändern.

Großstädte: Stuttgart vorn, Köln deutlich zurück

In den 20 größten Städten Deutschlands profitieren Haushalte unterschiedlich stark von reduzierten Netzentgelten. An der Spitze liegt Stuttgart mit 143,43 Euro jährlicher Entlastung, gefolgt von Hamburg (139,73 Euro) und Essen (137,26 Euro). Am unteren Ende rangiert Köln mit lediglich 95,58 Euro pro Jahr, während auch Leipzig mit 99,83 Euro deutlich unter dem Durchschnitt von 119,24 Euro bleibt. Städte wie Berlin (123,10 Euro) und München (115,56 Euro) bewegen sich dagegen näher am Mittelwert.

Spannweite der Netzentgelte: Unterschiede von bis zu 90 Euro

Bundesweit zeigt sich eine erhebliche Spannbreite bei der Netzentgeltreduzierung. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert liegen rund 88 Euro pro Jahr. Spitzenreiter ist das hessische Igelsbach mit 179,58 Euro jährlicher Entlastung, gefolgt von Bad Herrenalb in Baden-Württemberg mit 169,23 Euro.

Am unteren Ende der Skala liegen zahlreiche Gemeinden, vor allem in Niedersachsen, mit einer Reduzierung von lediglich 91,23 Euro jährlich. Im Durchschnitt erreichen die untersuchten 10.600 Städte und Gemeinden eine Entlastung von 116,61 Euro pro Jahr.

Bundesländer: Bayern mit geringster Entlastung

Auch im Ländervergleich zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Netzentgeltreduzierung. An der Spitze liegt Hamburg mit durchschnittlich 139,26 Euro pro Jahr, gefolgt von Rheinland-Pfalz (128,84 Euro), Baden-Württemberg (123,86 Euro) und Berlin (123,10 Euro).

Die geringste Entlastung erhalten dagegen Haushalte in Bayern mit durchschnittlich 106,80 Euro jährlich. Auch Mecklenburg-Vorpommern (107,39 Euro), Bremen (108,44 Euro) und Niedersachsen (109,58 Euro) liegen am unteren Ende und nur knapp über diesem Niveau.

Fazit: Regionale Unterschiede mit Signalwirkung

Die Analyse zeigt, dass die finanziellen Anreize für netzdienliches Verhalten regional sehr unterschiedlich ausfallen. Damit könnten sich auch die Rahmenbedingungen für flexible Stromnutzung und den Einsatz von Smart Metern je nach Standort unterschiedlich entwickeln. Für den weiteren Rollout intelligenter Messsysteme und die Integration erneuerbarer Energien bleibt die Ausgestaltung der Netzentgelte damit ein zentraler Hebel.

Hintergrund der Analyse und Modelle der Netzentgelte

Die Auswertung basiert auf Daten aus 10.679 Städten und Gemeinden in Deutschland. Die Durchschnittswerte für die Bundesländer wurden aus den jeweiligen Kommunalwerten abgeleitet. Geringfügige Abweichungen ergeben sich in Einzelfällen durch methodische Besonderheiten, etwa bei der Zuordnung einzelner Netzgebiete.

Grundsätzlich lassen sich bei der Netzentgeltreduzierung zwei Modelle unterscheiden: Modul 1 sieht eine pauschale, jährlich festgelegte Entlastung vor – unabhängig vom tatsächlichen Stromverbrauch. Modul 3 hingegen basiert auf zeitvariablen Netzentgelten, bei denen sich die Höhe der Entlastung am konkreten Verbrauch und dessen Verschiebung in netzdienliche Zeiten orientiert. Beide Modelle zielen darauf ab, Flexibilität im Stromsystem zu fördern, setzen jedoch unterschiedliche Anreize.

Alle Ergebnisse des Vergleichs mit Grafiken sind auf der Webseite des Unternehmens über diesen Link zu finden.

Quelle: metrify smart metering GmbH | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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