Next Kraftwerke und Eco Stor: neues Vermarktungsmodell für Batteriespeicher

Grafik zeigt großes Batteriespeicherprojekt im Flachland.Grafik: Eco Stor
So soll der Batteriespeicherpark in Förderstedt von Eco Stor künftig aussehen
Zur Vermarktung der Kapazitäten eines 300 MW Batteriespeichers haben Next Kraftwerke und Eco Stor ein neues Vermarktungsmodell geschlossen. Bei der flexiblen "Tolling"-Vereinbarung sind 80 Prozent fix und 20 Prozent abhängig vom Marktpreis.

Next Kraftwerke und Eco Stor haben ein fünfjähriges Flexibility Tolling-Agreement zur Vermarktung des Batteriespeicherprojekts Förderstedt geschlossen. Die Vereinbarung bildet die wirtschaftliche Grundlage für den langfristigen Betrieb des Projekts und unterstreicht die zunehmende Reife des deutschen Marktes für großskalige Batteriespeicher. Unter Tolling versteht man, dass Batteriebetreiber vom Vermarkter eine feste, garantierte Vergütung pro MW installierter Leistung erhalten.

Wie die Partner mitteilten, setzt Next Kraftwerke voraussichtlich ab November 2026 den ersten von drei Speicherblöcken an den Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkten ein. Zwei weitere Blöcke à 100 MW kommen sukzessive in zwei Schritten hinzu. Nach vollständiger Inbetriebnahme im Laufe des nächsten Jahres erreiche der Speicher 300 MW Leistung und über 700 MWh Kapazität.

Die Speicheranlage soll auf Preissignale sowie Netzsignale reagieren. Sie speichert Strom während auftretender Erzeugungsspitzen und/oder niedriger Last ein, und speichert zu Zeiten mit geringer Erzeugung und/oder hoher Last wieder aus. Zudem soll der Speicher Frequenzschwankungen und kurzfristige Netzungleichgewichte ausgleichen. Überdies stelle er Blindleistung zur Spannungshaltung im Netz bereit. Die Anlage ist für zwei vollständige Lade- und Entladezyklen pro Tag ausgelegt und kann rechnerisch rund 500.000 Haushalte über zwei Stunden bzw 100.000 Haushalte über zehn Stunden mit Strom versorgen. Im kritischen Fall eines Stromausfalls ist der Speicher in der Lage die Stromversorgung autonom wiederherzustellen.

Flexibles Tolling – neuer Standard

„Mit dem Tolling-Modell etablieren wir einen neuen Standard in der Speichervermarktung und schaffen verlässliche Rahmenbedingungen für unsere Partner. Wir zeigen, wie modernste Optimierungsalgorithmen und intelligente Marktintegration zusammenwirken,” sagt Marc Rühs, CEO Next Kraftwerke. Das Unternehmen ergänze sich ferner mit Energiekonzern Shell Energy Europe zur langfristigen Absicherung und Risikomanagement.

„Indem wir netzseitige Anforderungen wie Rampengeschwindigkeiten oder die Bereitstellung von Regelreserve berücksichtigen, stellen wir einen netzdienlichen und zugleich marktorientierten Betrieb sicher”, sagt Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Eco Stor. “Die Zusammenarbeit mit Next Kraftwerke und Shell gibt uns die notwendige Sicherheit, die Projekte dieser Größenordnung erfordern. Zudem wollen wir die Kooperation auch als Zeichen verstanden wissen, dass der Markt längst weiter ist, als es Politik und Regulierung sind. Wir machen die Energiewende unumkehrbar und gehen mit dem Speicherprojekt in Förderstedt wieder ein großes Stück voraus.“

80 Prozent fix – 20 Prozent flexibel

Das Vertragsmodell kombiniert ein Tolling-Agreement für 80 Prozent der Leistung mit einer flexiblen, marktpreisorientierten Vergütung für die verbleibenden 20 Prozent (Merchant). Im Gegenzug erhält Next Kraftwerke hierfür die volle Flexibilität, die Batterie marktübergreifend an Day Ahead, Intraday oder Regelenergiemarkt, einzusetzen.

Im Unterschied zu internationalen Märkten ist Tolling in Deutschland ein noch neues Vermarktungsmodell für Batteriespeicher. Die Kombination aus Tolling und Merchant macht großskalige Batteriespeicher für Banken und Investoren finanzierbar.

Flexible Netzanschlussvereinbarung

Dies gewinne vor dem Hintergrund der aktuellen energiepolitischen Diskussion zusätzliche Bedeutung. Offene regulatorische Fragen und uneinheitliche Marktsignale führten nach wie vor zu einer erhöhten Unsicherheit im Markt und zu gestiegenen Finanzierungsanforderungen für Speicherprojekte. Strukturierte Vermarktungsmodelle mit klarer Risikoverteilung schaffen dagegen die notwendige Stabilität für Investitionsentscheidungen.

Eco Stor hat mit dem Netzbetreiber 50 Hertz eine flexible Netzanschlussvereinbarungen geschlossen. Next Kraftwerke integriert hierbei Restriktionen wie Rampenlimits (Geschwindigkeit der Leistungserhöhung) und Ancillary Service Limits (maximale Menge für Systemdienstleistungen), in die Betriebsoptimierung und stellt eine wirtschaftliche Fahrweise sicher. Großbatteriespeicher entwickeltenn sich so zunehmend zu einer eigenständigen, investierbaren Infrastrukturklasse. Das Projekt sei rein privatfinanziert.

Quelle: Eco Stor | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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