Hannover: Dampfturbinenumfahrung in Müllverbrennung für mehr Fernwärme

Ein Mann mit gelber Enercity-Weste vor Maschine, der Bau der Dampfturbinenumfahrung in der Müllverbrennungsanlage soll mehr Fernwärme für Hannover liefern.Foto: Jannis Bach / Enercity
Der Bau der Dampfturbinenumfahrung in der Müllverbrennungsanlage Hannover schreitet voran.
Eine Dampfturbinenumfahrung soll zukünftig den erzeugten Dampf in der Müllverbrennungsanlage Hannover-Lahe für Spitzenlast vollständig in die Fernwärme von Enercity auskoppeln. Das steigert das Wärmepotenzial von 50 auf 85 Megawatt Leistung ohne zusätzliche Abfallmengen zu benötigen.

Das Entsorgungsunternehmen EEW Energy from Waste Hannover (EEW) baut ihre Müllverbrennungsanlage in Hannover um. EEW optimiert die bestehende Anlage energetisch und schafft damit die Voraussetzung, dass der Energieversorger Enercity künftig mehr Wärme aus der thermischen Abfallverwertung in sein Fernwärmenetz einspeisen kann. Damit leistet EEW als Anlagenbetreiber und Wärmelieferant einen konkreten Beitrag zu mehr grüner Fernwärme in Hannover. Diese Umrüstung ist Teil des vollständigen Kohleausstiegs von Enercity. Im März hatte Enercity bereits einen Block des Kohlekraftwerks Stöcken außer Betrieb genommen.

Die ersten Maßnahmen setzt EEW im Zuge der aktuell laufenden Revision der Anlage um. Zum zweiten Quartal 2027 sollen die Umbaumaßnahmen vollständig abgeschlossen sein. Die volle zusätzliche Fernwärmeleistung wird nach Abschluss der energetischen Optimierungsarbeiten für die Heizperiode 2027/2028 abrufbar sein. Parallel dazu investiert Enercity in die Erweiterung der Leitungen, die Hannover-Lahe mit dem Fernwärmenetz Hannovers verbindet, um die höhere Leistung im weiteren Stadtgebiet verteilen zu können.

Investitionen erhöhen Leistung der Fernwärme von 50 auf bis zu 85 Megawatt

Künftig kann Enercity die aus Abfällen der Region gewonnene Energie je nach Wärmebedarf flexibler nutzen. „Mit der energetischen Optimierung schaffen wir die technische Voraussetzung, künftig deutlich mehr Fernwärme aus derselben Abfallmenge bereitzustellen. Dafür umgehen wir die Turbine in bestimmten Betriebssituationen: Bei sehr hohem Fernwärmebedarf, insbesondere im Winter, können wir den Dampf vollständig für die Fernwärme auskoppeln“, sagt Malte Bieber, technischer Projektleiter energetische Optimierung des EEW-Standorts Hannover. „In anderen Fahrweisen bleibt der Betrieb in Kraft-Wärme-Kopplung mit anteiliger Stromerzeugung möglich. So reduzieren wir die Wärmeabgabe an die Umgebung und erhöhen die Effizienz der Anlage. Der Preis dafür ist eine geringere Stromproduktion bei höherer Fernwärmeauskopplung – unterm Strich gewinnen wir aber deutlich mehr nutzbare Energie für Hannover.“

Anfang 2025 hatten Enercity und EEW vereinbart, die Potenziale der bestehenden thermischen Abfallverwertungsanlage gemeinsam auszubauen und langfristig für Fernwärme- und Stromerzeugung in Hannover zu nutzen. Die maximale Wärmeerzeugung der Anlage steigt durch die neue Dampfturbinenumfahrung von 50 auf 85 Megawatt.

Chancen des volatilen Energiemarkts nutzen

Enercity nutzt die optimierte Anlage künftig als weiteren flexiblen Baustein seines breit aufgestellten Portfolios aus Strom- und Wärmeerzeugung, mit dem das Unternehmen seit Jahren am Energiehandelsmarkt aktiv ist. Die Anlage eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für Sektorenkopplung und einen intelligenten, marktorientierten Einsatz: Je nach Bedarf und Marktsituation kann Enercity entscheiden, ob man mehr Wärme oder mehr Strom erzeugen will. An kalten Tagen kann die höhere Wärmeleistung besonders zur Versorgungssicherheit beitragen.

Quelle: Enercity | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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