Windenergie-Ausbau wächst – Verbände warnen vor EEG-Novelle und Netzpaket
Foto: lupolucis / stock.adobe.comMehr Zubau und hohe Genehmigungszahlen
Im ersten Halbjahr 2026 sind in Deutschland 423 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 2.363 Megawatt (MW) neu in Betrieb gegangen. Das entspricht einem Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 1.419 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 9.150 MW genehmigt. Nach Angaben des Bundesverbands WindEnergie (BWE), des VDMA Power Systems und der Fachagentur Wind und Solar beläuft sich das genehmigte Projektvolumen damit auf insgesamt 48,1 Gigawatt (GW), von denen rund 19 GW bislang noch keinen Zuschlag erhalten haben.
Zum 30. Juni 2026 waren bundesweit 29.248 Windenergieanlagen mit einer installierten Leistung von 69.952 MW in Betrieb. Davon entfielen 1.927 MW auf den Netto-Zubau nach Berücksichtigung von Stilllegungen. Die Verbände halten einen Ausbau von 8 GW im Gesamtjahr weiterhin für erreichbar, weisen jedoch darauf hin, dass dafür bestehende Hemmnisse bei Umsetzung und Inbetriebnahme abgebaut werden müssten. Zudem liege Deutschland weiterhin unter dem gesetzlichen Zielpfad von 10 GW jährlichem Zubau.
Verbände fordern Nachbesserungen bei EEG und Netzanschlusspaket
Im Mittelpunkt der Kritik stehen die Referentenentwürfe zur EEG-Novelle 2027 und zum Netzanschlusspaket. BWE und VDMA sehen nach eigenen Angaben die Gefahr, dass mehrere geplante Regelungen die Investitionssicherheit verschlechtern und den Ausbau der Windenergie verlangsamen könnten.
Kritisch bewerten die Verbände unter anderem den vorgesehenen Redispatch-Vorbehalt, Regelungen zu Engpassgebieten sowie die geplante Reform des Referenzertragsmodells. Sie fordern stattdessen einen schnelleren Ausbau und eine stärkere Digitalisierung der Verteilnetze sowie einfachere Netzanschlüsse und bessere Transportbedingungen für Windenergieanlagen. Positiv bewerten sie dagegen das von der Bundesregierung angekündigte zusätzliche Ausschreibungsvolumen von 12 GW für Windenergie an Land. Dieses müsse jedoch tatsächlich wirksam werden und dürfe nicht durch neue Einschränkungen entwertet werden.
Darüber hinaus kritisiert der BWE, dass der EEG-Entwurf aus seiner Sicht zentrale Vereinbarungen des Koalitionsvertrags nicht aufgreife. Dazu gehörten praktikable Regelungen für Direktbelieferung, Power Purchase Agreements (PPAs) sowie die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten. Auch die geplante Ausgestaltung der zweiseitigen Differenzverträge (CfDs) könne Investitionen erschweren, da sie den Wechsel zwischen Förderung und Direktvermarktung zu stark einschränke. Ebenso lehnt der Verband die vorgesehene Begrenzung von Pachtzahlungen ab, weil sie zusätzliche Bürokratie verursache und die Projektfinanzierung erschwere.
Auch der LEE NRW kritisiert, dass die geplante Änderung des Referenzertragsmodells einzelne windstarke Regionen Nordrhein-Westfalens benachteiligen könnte. Als Beispiel nennt der Verband den Kreis Borken, für den er wirtschaftliche Nachteile beim Ausbau der Windenergie befürchtet. Außerdem fordert der LEE NRW längere Realisierungsfristen für Windenergieprojekte, da Transportengpässe den Bau neuer Anlagen zunehmend verzögern könnten.
Länder sehen Milliardeninvestitionen gefährdet
Auch mehrere Landesverbände der Erneuerbaren Energien verbinden die Halbjahresbilanz mit Forderungen an die Bundesregierung. In Nordrhein-Westfalen gingen im ersten Halbjahr 99 neue Windenergieanlagen mit rund 541 MW ans Netz. Weitere 275 Anlagen mit 1.753 MW wurden genehmigt. Nach Angaben des LEE NRW entsprechen die bereits realisierten Projekte Investitionen von knapp einer Milliarde Euro, die genehmigten Vorhaben einem weiteren Volumen von rund 2,7 Milliarden Euro. Der Verband fordert vor allem schnellere Netzanschlüsse und mehr Planungssicherheit.
In Niedersachsen wurden 89 neue Windenergieanlagen mit insgesamt 516 MW in Betrieb genommen. Mit 1.860 MW neu genehmigter Leistung und 1.584 MW bezuschlagter Projekte bleibt das Bundesland Spitzenreiter beim weiteren Ausbau. Der LEE Niedersachsen/Bremen warnt jedoch, dass insbesondere der geplante Redispatch-Vorbehalt Investitionen von bis zu 32 Milliarden Euro gefährden könnte.
Ein anderes Bild zeigt sich in Brandenburg. Dort ging der Zubau mit 106 MW beziehungsweise 22 neuen Anlagen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 43 Prozent zurück. Gleichzeitig wurden 171 Anlagen mit 1.131 MW neu genehmigt – nahezu doppelt so viele wie im ersten Halbjahr 2025. Der LEE Berlin-Brandenburg sieht neben sinkenden Ausschreibungspreisen vor allem fehlende Netzanschlusskapazitäten als zunehmenden Engpass. Zudem fordert der Verband weiterhin Regelungen für die direkte Belieferung von Industrieunternehmen mit regional erzeugtem Windstrom.
Genehmigungen allein reichen nach Ansicht der Branche nicht aus
Die bundesweite Halbjahresbilanz zeigt, dass weiterhin zahlreiche Windenergieprojekte genehmigt werden und eine umfangreiche Projektpipeline vorhanden ist. Nach Einschätzung von BWE, VDMA und mehreren Landesverbänden wird der weitere Ausbau nun vor allem davon abhängen, ob die Bundesregierung die Entwürfe für EEG-Novelle und Netzanschlusspaket noch überarbeitet. Aus Sicht der Branche entscheidet sich nun an der Ausgestaltung von Netzanschlüssen, Ausschreibungsbedingungen sowie Instrumenten wie PPAs und CfDs, ob die umfangreiche Projektpipeline tatsächlich umgesetzt werden kann.
Insgesamt zur aktuellen Kritik an EEG-Novelle 2027 und Netzpaket:
Die Solar-, Energiewirtschafts-, Bürgerenergie- sowie Wind- und Bioenergieverbände sehen erheblichen Nachbesserungsbedarf.
Mehr Details gibt es auch in dem gesonderten Beitrag der Solarthemen-Redaktion.
Quelle: BWE Bundesverband WindEnergie / VDMA Power Systems / Fachagentur Wind und Solar / LEE NRW / LEE Niedersachsen/Bremen / LEE BB | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH