Berlin: Forschungsprojekt unterstützt Bürgerinitiativen für Quartierswärmenetze
Grafik: Berliner Geoportal, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt 2026. Rund ein Fünftel der beheizten Fläche in Berlin eignet sich laut der kommunalen Wärmeplanung für Quartierswärmenetze. Dort könnten kleinere Nahwärmenetze mit Abwärme, Geothermie, Solarthermie oder anderen lokalen Quellen künftig Gas- und Ölheizungen ersetzen. Zusätzlich könnten Quartierswärmenetze auch dort interessant sein, wo man die Fernwärme erst sehr spät ausbauen will. Die zentrale offene Frage für all diese Gebiete ist: Welche Akteure könnten dort ein Wärmenetz betreiben? Neben den Berliner Stadtwerken und anderen Wärmeversorgern können auch Energiegenossenschaften oder lokale Bürgerinitiativen diese Aufgabe übernehmen. Doch diese brauchen schon weit vor der eigentlichen Umsetzung finanzielle Unterstützung und Beratung, etwa um Gutachten und Machbarkeitsstudien zu beauftragen oder Lösungen fundiert bewerten zu können.
„In Berlin gibt es bereits erste Initiativen, die sozialverträgliche Nahwärme in ihrem Kiez umsetzen wollen und damit einen wichtigen Beitrag für die Wärmewende leisten“, sagt Wärmewende-Expertin Julika Weiß vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Co-Leiterin des Projekts WärmSchöN, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Im Projekt „Wärmewende Schöneberger Norden“ (WärmSchöN) erarbeitet das IÖW zusammen mit dem Aktionskreis Energie e. V. (AkE) und anderen städtischen Akteuren daran, Blaupausen für Quartierslösungen zur Umsetzung der Wärmeplanung vor allem in dicht bebauten innerstädtischen Nachbarschaften zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen auch anderen Quartieren in Berlin und darüber hinaus Orientierung bieten.
Bürgerinitiativen für Quartierswärmenetze fehlen aktuell Fördermittel
Im Rahmen des Projektes diskutierten nun sieben Nahwärme-Initiativen aus den Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf über Erfolgsfaktoren und Unterstützungsbedarfe. „Der Austausch zeigte das enorme Engagement von Bürger:innen in den Initiativen, um vor Ort weitere Mitstreiter:innen zu gewinnen und um konkrete Lösungsansätze für die Wärmeversorgung zu entwickeln“, so Weiß. Eine große Hürde für die Initiativen ist jedoch die Finanzierung von Gutachten und Machbarkeitsstudien, um aus ersten Ideen konkrete Lösungen zu entwickeln. Aktuell fehlen diese Fördermittel, auch weil der Bund sein Förderprogramm zur energetischen Stadtsanierung (KfW 432) erneut gestoppt hat. Hierauf hatten einige Initiativen gesetzt, die jetzt auf der Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten sind.
Zudem ist die Beratung und Unterstützung durch die Bezirksämter bei der Initiierung, Planung und Umsetzung für viele Initiativen sehr wichtig. Diese können die Bezirke aber nur sehr eingeschränkt leisten, da sie personell nicht ausreichend ausgestattet sind. Eine erste wichtige Maßnahme hat das Land aber bereits ergriffen: Berlin hat mit der Wärmewendeagentur eine neue Beratungsstelle geschaffen, an die sich Bürger:innen wenden können – etwa mit Fragen zur Gründung einer Bürgerinitiative für Quartierswärme.
Idealer Zeitpunkt um Nahwärme-Initiative zu gründen
„Jetzt ist ein idealer Zeitpunkt, um eine Nahwärme-Initiative zu gründen, weil das Interesse der Bürger:innen an ihrer zukünftigen Wärmeversorgung zurzeit groß ist“, sagt Manuela Gabriel, Vorstandsmitglied des AkE. Sie selbst ist in der Initiative Wärmewende Friedenau aktiv. „Wir engagieren uns ehrenamtlich für ein Nahwärmenetz und sind in der Nachbarschaft unterwegs, um weitere Menschen für diese tolle Möglichkeit des klimaneutralen Heizens zu begeistern. Denn nur, wenn sich genügend Interessierte finden, ist ein Quartierswärmeanschluss preiswert umsetzbar.“
Die bisherigen Initiativen sind häufig in Gebieten aktiv, in denen viele Menschen in ihren eigenen Immobilien leben. Doch was ist mit Quartieren, in denen die meisten Menschen zur Miete wohnen? Um für solche Gebiete einen Anstoß zu geben, will das Forschungsprojekt WärmSchöN im Schöneberger Norden mit Anwohnenden und lokalen Akteuren über eine sozial gerechte Wärmeversorgung diskutieren. Im Fokus stehen vor allem solche Wohnblöcke, in denen ein Ausbau der Fernwärme gar nicht oder erst nach 2040 geplant ist. Für sozialverträgliche Wärme sind dort gemeinwohlorientierte Lösungen wie eine genossenschaftlich getragene Nahwärme vielversprechend. Begleitet durch die Anwohnenden-Initiative „AG Wärmewende“ im Schöneberger Norden wollen die Forschenden die Bedürfnisse von Menschen vor Ort frühzeitig in die Entwicklung möglicher Lösungen für die Wärmeversorgung einbeziehen und Wege aufzeigen, wie sich auch Mietende beteiligen können.
Am Projekt WärmSchöN sind das IÖW zusammen mit dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, der Technischen Universität Berlin, der Gewobag ED, der AG Wärmewende des Quartiersrats Schöneberger Norden und der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) beteiligt. Weitere Informationen zum Projekt WärmSchöN sind auf der Website des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg unter diesem Link zu finden.
Quelle: IÖW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH