NRW: Verhaltener Photovoltaik-Ausbau im ersten Halbjahr 2026
Grafik: LEE NRWDer Ausbau der Photovoltaik in Nordrhein-Westfalen hat an Dynamik verloren. Das geht aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters für das erste Halbjahr 2026 durch den Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) hervor. Der Verband registrierte einen Zubau von 82.751 Solaranlagen mit einer installierten Leistung von rund 908 Megawatt (MW) im ersten Halbjahr 2026 im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland. Das entspricht einem Rückgang um 3,3 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Damit setzt sich die Abschwächung des Photovoltaik-Ausbaus in NRW bereits im zweiten Jahr in Folge fort. Bundesweit liegt NRW beim Leistungszubau nun auf Rang zwei hinter Bayern, das im ersten Halbjahr einen PV-Zubau von 1.831,7 MW verzeichnete.
LEE NRW fordert energiepolitische Kurskorrektur des Bundes
„Ohne den anhaltend starken Ausbau von Gebäudesolaranlagen sähen die Zahlen für NRW noch schlechter aus“, sagt Christian Vossler, Geschäftsführer des LEE NRW. Aus Sicht des Verbandes muss die Bundesregierung ihren Kurs gegen die Erneuerbaren dringend korrigieren. Denn die kürzlich vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwürfe zu EEG und Netzpaket drohten den Ausbau der Photovoltaik deutlich auszubremsen.
Besonders kritisch bewertet der LEE NRW die ersatzlose Abschaffung des Ausschreibungssegments für besondere mit Mehrkosten verbundene Solaranlagen wie Agri-, Floating- oder Parkplatz-PV und die geplante Streichung der Einspeisevergütung für neue Photovoltaik-Anlagen bis 25 Kilowatt.
„Mit der vorgesehenen Streichung der Förderung für neue kleine Solaranlagen ab 2027 gefährdet man gerade die Anlagen, die für viele Bürgerinnen und Bürger einen Einstieg in die Energiewende ermöglichen. Auch die Mobilitäts- und Wärmewende wird dadurch verzögert, wenn weniger Sonnen-strom auf dem eigenen Dach produziert wird. Dabei wollte die Bundesregierung im Koalitionsvertrag doch gerade Mieterstrommodelle und Energy-Sharing besser ermöglichen“, so Vossler.
Auch angesichts der zunehmenden Folgen des Klimawandels fordert der LEE NRW mehr Entschlossenheit beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. „Immer längere Trockenphasen, sinkende Pegelstände in den großen Flüssen und Wasserstraßen, Waldbrände und neue Hitzerekorde zeigen unübersehbar, wie stark die Klimakrise bereits heute wirkt. Gleichzeitig steigt der Strombedarf weiter an. Bund und Länder müssen deshalb den Ausbau der Erneuerbaren gemeinsam mit dem Netzausbau konsequent vorantreiben. Klimaschutz ist zugleich Wirtschaftsschutz“, sagt Hans-Josef Vogel, Vorstandsvorsitzender des LEE NRW.
Regierungsbezirk Düsseldorf Spitzenreiter beim Photovoltaik-Ausbau in NRW
Bei den Regierungsbezirken liegt Düsseldorf mit 207,65 MW vor Köln mit 205,69 MW neu installierter Leistung an der Spitze. Spitzenreiter bei den Landkreisen ist der Landkreis Gütersloh mit mehr als 50 Megawatt neu installierter Leistung. Unter den kreisfreien Städten führt Düsseldorf mit knapp 32,6 MW.
Den größten Beitrag zum Solarausbau leisteten erneut die Gebäudesolarenergieanlagen. Mit rund 690 MW entfielen im ersten Halbjahr in NRW rund drei Viertel der neu installierten Leistung auf Dachanlagen.
Freiflächen-Photovoltaik: Wichtige Hürden in NRW abgebaut
Auf Landesebene begrüßt der LEE NRW, die am vergangenen Freitag vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) veröffentlichte überarbeitete Fassung des Arbeitsblatts 61 zur naturschutzfachlichen Bewertung von Freiflächen-PV-Anlagen.
„Die Überarbeitung des Arbeitsblattes 61, für die wir uns lange intensiv eingesetzt haben, ist ein wichtiger Schritt für den Ausbau der Freiflächen-Photovoltaikanlagen. Die bisherige ökologische Bewertung war fachlich nicht angemessen und hat viele Projekte unnötig erschwert. Die Neufassung schafft nun deutlich bessere Rahmenbedingungen“, sagt LEE-NRW-Geschäftsführer Vossler.
Der LEE NRW hatte gegenüber dem Land wiederholt darauf hingewiesen, dass sowohl die Flächen unter den Solarmodulen als auch die Flächen zwischen den Solarmodulreihen bislang deutlich zu niedrig bewertet wurden. Die Erfahrungen aus zahlreichen Projekten zeigen aus Sicht des Verbandes, dass Freiflächen-Photovoltaikanlagen erhebliche ökologische Mehrwerte schaffen können. Diese werden im überarbeiteten Arbeitsblatt nun besser berücksichtigt.
Entsprechend positiv bewertet der LEE NRW die Entwicklung beim Ausbau der Freiflächen-Photovoltaik. Als kostengünstigste Form der Solarenergie steigt ihr Anteil am gesamten Leistungszubau kontinuierlich: Von rund 6 Prozent im ersten Halbjahr 2024 auf knapp 12 Prozent im ersten Halbjahr 2025 und bereits 17 Prozent im ersten Halbjahr 2026. „Vom Ziel eines hälftigen Ausbaus sind wir zwar noch deutlich entfernt. Die Entwicklung zeigt aber klar in die richtige Richtung. Die Arbeit der Landesregierung beginnt Früchte zu tragen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Vogel.
LEE NRW: Potenziale von Agri-PV besser nutzen
Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich der LEE NRW auch bei der Agri-Photovoltaik. „Nach der Überarbeitung des Arbeitsblattes 61 sollte die Landesregierung nun den nächsten Schritt gehen und den Ausbau der Agri-Photovoltaik gezielt voranbringen. Gerade angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden zeigt sich ihr großes Potential: Die Teilbeschattung kann landwirtschaftliche Kulturen vor Hitzestress schützen und den Wasserbedarf senken. Zugleich entstehen wertvolle Lebensräume für Kleintiere und Niederwild. Agri-PV verbindet damit Landwirtschaft, Klimaanpassung, Biodiversität und erneuerbare Stromerzeugung auf derselben Fläche. Dieses Potenzial sollte NRW konsequent nutzen“, so Vogel.
Quelle: LEE NRW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH