Lebenszyklusanalyse: Serielle Sanierung bietet Vorteile gegenüber konventioneller Gebäudesanierung

Ein Kran hebt Bauelemente an die Fassade, serielle Sanierung mit vorgefertigten Holzständerelementen.Foto: photothek / Felix Zahn
Die serielle Sanierung, wie hier mit vorgefertigten Holzständerelementen, schafft gute Voraussetzungen für die spätere Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien.
Eine im Auftrag der Deutschen Energie-Agentur (Dena) erstellte Studie zur Lebenszyklusanalyse (LCA) vergleicht die Treibhausgasemissionen und Kohlenstoffspeicherfähigkeit beim seriellen Sanieren mit der konventionellen Sanierung von Gebäuden.

Die serielle Sanierung kann die Treibhausgasemissionen von Wohngebäuden über den gesamten Lebenszyklus deutlich reduzieren und bietet zugleich Potenzial für die Kohlenstoffspeicherung. Das zeigt die neue Dena-Studie des Kompetenzzentrums Serielles Sanieren zur Lebenszyklusanalyse (LCA): Im untersuchten Modellprojekt sinken die Treibhausgasemissionen je nach Sanierungsvariante zwischen 74 und 81 Prozent, biobasierte Materialien in der Konstruktion erhöhen die Kohlenstoffspeicherfähigkeit.

Wirkungsvergleich für serielle und konventionelle Sanierung über 50 Jahre

Die von der Dena beauftragte Studie haben Weber Brunner Pischetsrieder Architektur und Friena – Friedel Nachhaltigkeitsberatung erstellt. Sie ist in Kooperation mit der TAG Immobilien AG entstanden. Die Autor:innen haben die Klimawirkung von Sanierungen über einen Zeitraum von 50 Jahren untersucht Modellprojekte sind zwei unsanierte Mehrfamilienhäuser der TAG Immobilien AG in Salzgitter mit dem Baujahr 1962 und der Energieeffizienzklasse F. Im diesem Jahr will das Unternehmen sie mit vorgefertigten Holzständerelementen seriell sanieren und auf den Effizienzhausstandard EH 55 bringen. In drei Szenarien hat die Studie die verwendeten Baustoffe und Bauteile, die technische Gebäudeausrüstung (TGA) sowie den Energiebedarf in der Nutzungsphase betrachtet, um die Klimawirkung über den gesamten Lebenszyklus zu vergleichen. Die Szenarien „unsaniert“ und „konventionell saniert“ haben die Autor:innen für die LCA-Betrachtung anhand der vorliegenden Daten simuliert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die serielle Sanierung über den gesamten Lebenszyklus leichte Vorteile bietet: Gegenüber dem unsanierten Referenzzustand reduziert die konventionelle Sanierung die Treibhausgasemissionen um rund 74 Prozent, die serielle Sanierung um rund 79 Prozent. Die materialoptimierte serielle Variante mit Re-Use erreicht rund 81 Prozent. Ausschlaggebend sind unter anderem geringere Emissionen in der Konstruktion sowie geringere Wärmeverluste. Der gezielte Einsatz nachwachsender Rohstoffe (NaWaRo) und Re-Use-Materialien verbessert die Klimabilanz zusätzlich. Im untersuchten Modellprojekt spart die serielle Sanierung so rund 3.000 Tonnen CO₂-Äquivalente gegenüber dem unsanierten Gebäude ein.

TGA und Betriebsenergie als entscheidende Hebel

Der Aufwand für Sanierung und technischen Ausbau ist durch die deutliche Reduktion der Betriebsenergie bereits innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre energetisch amortisiert. Entscheidenden Einfluss auf die Emissionsbilanz hat wiederum der gewählte Energiemix. Für eine wirksame Dekarbonisierung gilt es daher, Gebäudehülle, TGA und Energieversorgung gemeinsam zu betrachten. Zudem können NaWaRo und Re-Use-Materialien Gebäude zu Kohlenstoffspeichern machen: Kohlenstoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist langfristig in Bauteilen gebunden, sofern man die Freisetzung am Ende der Lebensdauer vermeidet. Vorgefertigte Bauteile und lösbare mechanische Verbindungen bei der seriellen Sanierung schaffen hierfür gute Voraussetzungen und erleichtern die spätere Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien.

Handlungsempfehlungen für die Sanierungspraxis

Eine konkrete Empfehlung auf Basis der Studienergebnisse ist, dass Wohnungswirtschaft und Investoren serielle Sanierungen mit biobasierten Materialien priorisieren und zirkuläre Prinzipien in Ausschreibungen verankern. Politik und Kommunen können den Rahmen für eine klimafreundliche Sanierung durch passende Förderbedingungen verbessern, etwa durch für Berücksichtigung von Kohlenstoffspeichern in der Förderung und erleichterte Zulassungen für ökologische Materialien. Die Lebenszyklusanalyse zeigt auch, dass mit der seriellen Sanierung die Anforderungen des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) erreichbar sind. Damit eröffnet sich perspektivisch die Möglichkeit, die NH-Klasse als attraktiven Förderanreiz für die serielle Sanierung zu nutzen.

Die Studie „Lebenszyklusanalyse im seriellen Sanieren“ ist unter diesem Link zu finden.

Quelle: Dena | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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