Zahlen zu bestehenden Netzengpassgebieten veröffentlicht
Foto: Marcel / stock.adobe.com Die Unternehmensberatung E-Bridge hat Zahlen zu bestehenden Netzengpassgebieten veröffentlicht. Das Unternehmen hat die Erhebung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) erstellt. „Die von E-Bridge veröffentlichten Daten liefern eine wichtige Grundlage, um die möglichen Auswirkungen des geplanten sogenannten Redispatchvorbehalts besser einschätzen zu können“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). „Damit wurde erstmals eine nahezu deutschlandweite Übersicht zur Netzauslastungssituation geschaffen, die sichtbar macht, wo Netzengpässe bestehen und welche Regionen von den vorgesehenen Regelungen potenziell betroffen sein könnten.“
Laut der Studie waren im Jahr 2024 sechs Prozent der Umspannwerke für Windkraftanlagen kapazitätslimitiert, lagen also in Netzengpassgebieten. Bei Photovoltaik-Anlagen betraf es fünf Prozent. Die Netzengpassgebiete für Windenergie liegen alle in Norddeutschland, die für Photovoltaik vor allem im Süden, teilweise aber auch im Norden. Für kapazitätslimitierte Gebiete sind im Netzanschlusspaket Restriktionen bei Ausbau der erneuerbaren Energien vorgesehen.
Evaluierungsklausel im Netzanschlusspaket nutzen
„Die Analysen können jedoch nur ein erster Schritt in einem längeren Prozess sein. Sie bilden den Status quo auf Basis der verfügbaren Daten zwischen 2023 und 2025 ab“, sagt Andreae. „Die dynamische Entwicklung der Netzanschlussbegehren sowie des Netzausbaus muss weiter beobachtet und abgebildet werden. Ein enges Monitoring und eine Evaluierung sind daher von hoher Bedeutung, um Fehlentwicklungen schnell zu erkennen und gegebenenfalls gegensteuern zu können.“ Es müsse gelingen, die Lenkungswirkung für den Netzanschluss neuer Erneuerbare-Energien-Anlagen zu erzielen, Kosten für Abregelungen deutlich zu dämpfen und gleichzeitig den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie den Netzausbau voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund sei es großer Erfolg, dass die Bundesregierung im Netzanschlusspaket eine Evaluierungsklausel implementiert habe.
Für die Umsetzung muss der Gesetzgeber nach Ansicht des BDEW klare und rechtssichere Bestandsschutzregelungen vorsehen. Diese müssten sicherstellen, dass bereits getätigte Investitionen und weit fortgeschrittene Planungen nicht nachträglich der Entwertung anheimfallen. Zudem müsse der Bund sicherstellen, dass das Instrument gezielt dort Lenkungswirkung entfaltet, wo tatsächlich konkrete und erhebliche Netzengpässe bestehen. „Die Ausweisung kapazitätslimitierter Netzgebiete sollte deshalb auf klar abgegrenzte Engpass-Hotspots beschränkt bleiben“ so Andreae.
Netzausbau beschleunigen
Neue Regelungen für den Netzanschluss können laut BDEW nur eine Übergangslösung bis zum Ausbau des Netzes sein. Es gilt daher dringend die Planungs- und Genehmigungsverfahren für den Netzausbau deutlich zu vereinfachen und damit zu beschleunigen. „Netzausbauzeiten von zehn Jahren können nicht unser Anspruch sein“, sagt Andreae. Neben den neuen Anschlussregelungen müsse nun rasch auch das angekündigte Beschleunigungspaket für den Netzausbau insgesamt kommen. Dabei komme es darauf an, strategisch wichtige Mittel- und Langfristthemen in den Blick zu nehmen, wie die Beschaffung wichtiger Netzkomponenten und die Verfügbarkeit von Fachkräften.
„Gleichzeitig gilt es, vorhandene Netzkapazitäten möglichst effizient zu nutzen. Instrumente wie flexible Netzanschlussvereinbarungen, die gemeinsame Nutzung von Netzanschlüssen durch unterschiedliche Erzeugungs- und Speichertechnologien, also Co-Location und Überbauung, und transparente Reservierungsverfahren können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Andreae.
Quelle: BDEW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH