Deutschland legt Fahrplan für Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vor
Grafik: Roadmap / BMUKN Bundesumweltminister Carsten Schneider hat Deutschlands Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bei den Vereinten Nationen in New York vorgelegt. Zuvor hatte das Bundesumweltministerium (BMUKN) die sogenannte Roadmap im Bundeskabinett vorgestellt. Deutschland ist damit nach Frankreich und den Niederlanden das dritte Land, das einen solchen Plan vorlegt. Bei der Weltklimakonferenz 2023 in Dubai hatte die Weltgemeinschaft beschlossen, die schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen zu beschleunigen.
„Die aktuelle Weltlage bringt neue Dynamik in die internationale Klimaschutzpolitik. Nicht nur die weltweiten Wetterextreme zeigen, wie dringend mehr Klimaschutz ist. Immer mehr Ländern wird bewusst, wie teuer und wie gefährlich die Abhängigkeiten von fossilen Energien sind“, sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider. „Wir müssen die Abhängigkeit von fossilen Energien überwinden und wir können sie überwinden. Mit diesem Fahrplan legen wir nicht nur eine Klimastrategie vor, sondern auch eine wirtschaftspolitische Strategie. Das Geld, das wir bisher für den Import von Öl und Gas ausgeben müssen, fließt künftig verstärkt in lokale Wertschöpfung.“
Im Jahr 2024 lag der Anteil fossiler Brennstoffe noch bei 65 Prozent des deutschen Energieverbrauchs: Mineralöle (36 Prozent), Erdgas (24 Prozent) und Kohle (5 Prozent). 98 Prozent des Mineralöls und 95 Prozent des Erdgases hat Deutschland importiert, dazu die komplette Steinkohle. Die Gesamtkosten für diese Importe lagen 2024 bei 76 Milliarden Euro. Diese Kosten sind seit der Krise rund um den Iran massiv gestiegen.
Deutschlands Fahrplan setzt zum einen auf die wachsende Nutzung erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung und zum anderen auf die Elektrifizierung von Mobilität, Wärmeerzeugung und industriellen Prozessen. Elektrische Technologien wie Elektroautos und Wärmepumpen sind um ein Vielfaches effizienter als fossile und werden noch dazu immer besser. Im Jahr 2045 soll Deutschland dann klimaneutral sein und effizient und kostengünstig wirtschaften können.
Erneuerbare Energien sollen 2030 mindestens 80 Prozent der Stromerzeugung decken
Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung wächst stark, deckt in Deutschland bereits rund 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs und soll bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigen. Windenergie und Photovoltaik tragen dazu entscheidend bei. Deutschland plant den Kohleausstieg bis spätestens 2038 und will die Stromnetze ausbauen. Ergänzende regelbare Gaskraftwerke will man auf grünen Wasserstoff umstellen können, so dass 2045 ein klimaneutraler Kraftwerkspark ohne fossile Energien steht. Abgesichert wird diese Entwicklung laut BMUKN durch den EU-Emissionshandel, der Zertifikate für fossile Kraftwerke Jahr für Jahr verknappt.
Mobilität : Hochlauf der Elektromobilität soll Mobilität angestrebt
Im August 2026 waren bereits rund ein Drittel der Pkw-Neuzulassungen in Deutschland vollelektrisch. Die sozial gestaffelte Förderung sorgt für Anschub in Einkommensgruppen, für die Elektromobilität zuvor keine Option war. Parallel dazu treibt die Bundesregierung laut BMUKN den Ausbau von Ladesäulen weiter voran.
Wärmeerzeugung mit Wärmepumpen und Fernwärme
Wärmepumpen und Fernwärme ersetzen Heizsysteme auf Basis von Öl und Gas. Im Jahr 2025 hat die Heizungsbranche in Deutschland erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft. Der Bund fördert diese Entwicklung laut BMUKN durch eine sozial gestaffelte Heizungsförderung und ordnungspolitische Maßnahmen. Allerdings hat die aktuelle Bundesregierung das Verbot von Öl- und Gasheizungen, das der Bundestag unter der Ampel verabschiedet hatte, mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz wieder zurückgenommen.
Industrie: Dekarbonisierung mit Förderprogrammen unterstützen
Für die Industrie verfolgt die Bundesregierung eine Elektrifizierungs- und Modernisierungsstrategie. Investitionen in die Dekarbonisierung will der Bund mit Förderprogrammen unterstützen. Flankiert wird dies durch die Preissignale des EU-Emissionshandels sowie den Schutz durch den CO2-Grenzausgleich CBAM.
Die brasilianische COP30-Präsidentschaft will im Oktober einen internationalen Fahrplan zur Abkehr von fossilen Energien veröffentlichen. Im April berieten zudem 57 Vorreiter-Länder, so auch Deutschland, in Santa Marta bei der ersten internationalen Konferenz zur Abkehr von fossilen Energien, wie der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas gelingen kann. Im Anschluss wurden mehrere Arbeitsprozesse aufgesetzt, um die internationale Kooperation zu wesentlichen Fragen des Ausstiegs zu verstärken. Gleichzeitig streben die türkische und australische COP31 Präsidentschaft laut BMUKN an, die globale Elektrifizierung weiter zu beschleunigen.
Deutsche Umwelthilfe kritisiert Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist von dem vorgelegten Fahrplan nicht überzeugt. Sie wirft der Bundesregierung vor, den Ausstiegsplan mit zahlreichen fossilen Gesetzen und Gesetzesvorhaben schon jetzt zu untergraben. „Die Bundesregierung erkennt in ihrer Roadmap an, dass die Elektrifizierung des Straßenverkehrs zentral ist, um uns aus der Öl-Abhängigkeit zu befreien – gleichzeitig arbeitet sie jedoch in Brüssel seit Monaten mit allen Mitteln daran, den beschlossenen Verbrenner-Ausstieg bei Pkw-Neuzulassungen bis 2035 rückgängig zu machen“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Wenn dieser Fahrplan irgendetwas wert sein soll, muss die Bundesregierung ihre Worte endlich mit konkretem Handeln hinterlegen und im Verkehrssektor alle Hebel umlegen.“
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH ergänzt: „Statt den Ausstieg aus fossiler Energie voranzubringen, würgt die Bundesregierung die Erneuerbaren Energien ab. Netzpaket und Erneuerbare-Energien-Gesetz gehen in die völlig falsche Richtung. Auch die Ausweitung von Gasbohrungen in der Nordsee und die milliardenschweren Subventionen für neue Gaskraftwerke passen nicht in die versprochene ‚Transition‘. Schon gar nicht kann die Bundesregierung alleine auf das Klimaschutzprogramm 2026 verweisen. In unserer Klimaklage dagegen haben wir bereits dargelegt, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um die gesetzlichen Klimaziele zu erfüllen. Wenn die Bundesregierung es mit dem fossilen Ausstieg ernst meint, muss sie an allen Stellen nachbessern.“
Quelle: BMUKN, DUH | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH