Netzpaket im Bundestag: BSW-Solar und BNE fordern Nachbesserung
Illustration: frank29052515 / stock.adobe.com Anlässlich der heutigen öffentlichen Anhörung zum Netzpaket im Wirtschaftsausschuss des Bundestages fordert der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) den Bundestag auf, den Gesetzentwurf grundlegend nachzubessern. Der BSW-Solar warnt insbesondere davor, temporäre Netzengpässe durch neue Investitionshürden und den geplanten Redispatch-Vorbehalt zu großflächigen „Sperrzonen“ für neue Photovoltaik-Solarparks werden zu lassen. Stattdessen müsse man Stromnetze schneller ausbauen und digitalisieren. Zudem sollten Batteriespeicher und mehr Flexibilität vorhandene Netzkapazitäten intelligenter nutzen. In einer Stellungnahme hat der BSW-Solar Vorschläge unterbreitet, wie dies geschehen kann.
„Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, wo das eigentliche Nadelöhr der Energiewende liegt: 68 Prozent der Befragten einer aktuellen YouGov-Umfrage wollen, dass der Ausbau der Stromnetze beschleunigt wird. Nur 13 Prozent sprechen sich dafür aus, stattdessen den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft.“ Der Auftrag an die Politik sei damit klar: Netz- und Speicherausbau beschleunigen statt Solarenergie ausbremsen. „Engpässe lassen sich überwinden, wenn wir Netze intelligenter nutzen. Einem schnelleren Speicherausbau kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Neue Investitionsbarrieren für eine der günstigsten heimischen Stromquellen können wir uns hingegen nicht leisten“, so Körnig.
Erst jüngst hatte eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE nachgewiesen, dass sich mit dem gezielten Ausbau von Speichern an Umspannwerken die installierte Photovoltaik-Leistung mehr als verdoppeln ließe und somit die Netzausbaukosten nennenswert reduziert werden könnten.
BNE schlägt Alternativen zum Redispatch-Vorbehalt vor
Auch der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) kritisiert die Pläne zum Redispatch-Vorbehalt. Der Verband hat analysiert, dass der Redispatch-Vorbehalt einen besonderen Fehlanreiz enthält. „ Ausgerechnet der E.on-Konzern, der den Vorschlag über Jahre vorangetrieben hat, könnte besonders profitieren. Für neue Wind- und Solarparks drohen dagegen höhere Risiken und schlechtere Finanzierungsbedingungen. Damit droht der Redispatch-Vorbehalt, die Systemkosten weiter zu erhöhen“, sagt Robert Busch, Geschäftsführer des BNE.
Die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien mit dem Netzausbau besser zu synchronisieren, ist laut Verband eine zentrale Aufgabe. „Sie lässt sich aber intelligenter lösen“, sagt Busch. Der BNE macht dafür sieben Vorschläge:
Freier Netzzugang für Freiheitsenergien
Wer in Erneuerbare investiert, braucht laut BNE einen verlässlichen gesetzlichen Netzanschlussanspruch – auch dort, wo Netzkapazitäten knapp sind. Dieser Anspruch darf man nicht durch willkürliche Einzelverträge mit unkalkulierbaren Risiken ersetzen. Speicher, die gemeinsam mit einer Erneuerbaren-Energien-Anlage denselben Netzanschlusspunkt nutzen, müssen ebenfalls vom Netzanschlussvorrang profitieren.
Spitzenkappung muss zusätzliche Anschlüsse ermöglichen
Wenn Erneuerbaren-Energien-Anlagen ihre Einspeisespitzen begrenzen müssen, muss dadurch auch Platz für weitere Anschlüsse entstehen. Das ist der Kern einer systemdienlichen Anschlussleistung. Netzbetreiber müssen die reduzierte Einspeiseleistung deshalb verbindlich in ihrer Netzplanung und ihren Anschlussprüfungen berücksichtigen. Eine Kappung, die Windenergie und Photovoltaik beschränkt, ohne die entstehenden Freiräume für zusätzliche Anschlüsse zu nutzen, verfehlt nach Einschätzung des BNE ihren Zweck.
Zwischenspeicherung muss selbstverständlich werden
Statt Wind- und Solarparks abzuregeln, sollte ihr Strom zuerst in den Speicher fließen – gerade auch während des Redispatches. Speicher an Erneuerbaren-Anlagen müssen außerdem Netzstrom aufnehmen dürfen, beispielsweise überschüssigen Windstrom aus entfernteren Windturbinen. Alles andere nutzt nach Ansicht des BNE die vorhandene Infrastruktur schlecht, verschenkt Energie und verhindert die Nutzung der Flexibilität, die mit der MiSpeL-Festlegung möglich wird.
Baukostenzuschüsse
Baukostenzuschüsse (BZK) sind laut BNE in der Finanzierung besser planbar als ein unkalkulierbarer Redispatch-Vorbehalt. Zu hohe BKZ verhindern aber neue Windenergieanlagen und Solarparks oder erhöhen den EEG-Förderbedarf. Der BNE empfiehlt deshalb verbindliche, bundesweit einheitliche und diskriminierungsfreie Vorgaben. Zusätzliche Belastungen durch BKZ, flexible Anschlussvereinbarungen (FCA) und Redispatch-Vorbehalt dürfen sich nicht übereinanderstapeln. Auch bei der Auswahl des wirtschaftlich günstigsten Netzanschlusspunktes muss man die Baukostenzuschüsse mitrechnen.
Schaltfeldtransparenz
Wer einen Anschluss plant, muss wissen, wo Platz im Netz ist. Freie und reservierte Kapazitäten, verfügbare Anschlussfelder in Umspannwerken sowie Ausbau- und Fertigstellungstermine müssen bei nachgewiesen berechtigtem Interesse transparent sein. Es braucht Schaltfeldtransparenz, denn viel zu viele Schaltfelder sind schlecht ausgelastet und könnten weitere Speicher, Lasten oder Erzeuger aufnehmen. Transparenz im Netz hilft, vorhandene Infrastruktur effizienter zu nutzen.
Netzausbau vorantreiben
Wer Wind- und Solarparks baut, braucht ein Netz, das mitwächst. Netzbetreiber müssen Engpässe schneller beseitigen und vorausschauend ausbauen. Geplante Einspeisenetze, die mehrere Anlagen gemeinsam anschließen, dürfen keine “Wartenetze” werden: Spätestens 24 Monate nach Zuweisung müssen sie fertig sein. Dauert es länger, sollten Projektierer selbst bauen oder vorfinanzieren dürfen. Die notwendigen Kosten kann man dann später erstatten oder mit Baukostenzuschüssen verrechnen.
Recht auf flexiblen Netzanschluss im EEG
Projektierer und Netzbetreiber verhandeln nicht auf Augenhöhe. Deshalb braucht es für Erneuerbaren-Anlagen und Speicher am gemeinsamen Anschluss klare Regeln im EEG: Ein Recht auf Überbauung, verbindliche Nutzungsregeln und Pflichten für beide Seiten.
„Der Bundestag hat jetzt die Chance, die Netzkrise an ihren Ursachen anzugehen“, sagt Busch. In der Folge sind die dringend nötigen Investitionen in der ganzen Breite der Wirtschaft wieder möglich. Unsere sieben Vorschläge zeigen, wie dafür ein passender Rechtsrahmen geschaffen wird.“
Quelle: BSW-Solar, BNE | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH