Greenpeace-Städteranking: Berlin bei Wärmewende im EU-Vergleich im Mittelfeld

Ein Balkendiagramm zeigt das Städteranking zur Wärmewende in europäischen Großstädten.Grafik: Greenpeace
Im Ranking der 15 Großstädte führt Stockholm vor Paris und Wien. Maximal konnten die Städte 100 Punkte sammeln. Berlin liegt mit 61 Punkten abgeschlagen im Mittelfeld.
Laut einer Untersuchung von Greenpeace hat Berlin gute Voraussetzungen für die Wärmewende und auch eine zielgerichtete kommunale Wärmeplanung. Doch es hapert an der Verwirklichung der Pläne. Im EU-Ranking zur Wärmewende in europäischen Großstädten kommt Berlin nur auf Platz 8.

Greenpeace hat ermittelt, wie weit sich europäische Großstädte bei der Wärmeversorgung unabhängig von fossilen Rohstoffen gemacht haben. Am weitesten sind dabei Stockholm, Paris und Wien gekommen, die ihre Gebäudewärme konsequent von fossilem Gas entkoppeln. Schlusslichter des Rankings sind Athen, Rom und Bukarest mit grundlegenden Versäumnissen bei Planung und Umsetzung. Bei der Bewertung von 15 europäischen Großstädten zu Fortschritten bei der Wärmewende erreicht Berlin lediglich Platz 8.

„Berlin setzt seine guten Voraussetzungen bei der Wärmewende aufs Spiel”, sagt Marina Falke, Greenpeace-Expertin für Klima und Energie. „Mit einer vorausschauenden Planung und einem kommunalen Fernwärmenetz könnte Berlin schnell voran kommen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung.” Doch statt die Wärmenetze konsequent zu elektrifizieren, plant die Stadt Kohle durch Gas zu ersetzen. „Die Stadt bleibt die Erklärung schuldig, wie sich Investitionen in die Gas-Infrastruktur mit dem geplanten fossilen Ausstieg vereinbaren lassen”, so Falke.

Berlin: gute Pläne, schlechte Umsetzung

Der Bericht bescheinigt Berlin enorme Schwächen: So stagnierten die Wärme-bedingten Emissionen zwischen 2020 und 2024. Es gab nur ein Minus von 1,3 Prozent. Etwa 39 Prozent der Gebäudewärme stammen weiterhin aus fossilen Quellen. In Moabit, Charlottenburg und Klingenberg lässt die Stadt neue Kraftwerksblöcke mit Gasturbinen errichten und riskiert damit, fossile Abhängigkeiten auf lange Zeit zu zementieren. In den Zukunftsszenarien des Berliner Energieversorgers BEW will das Unternehmen das Gas ab 2035 teilweise durch Wasserstoff ersetzen. Preis und Verfügbarkeit sind laut Greenpeace aber unsicher. Darüber hinaus fehlt ein verbindlicher Fahrplan zum Rückbau des Gasnetzes. Mit einem detaillierten kommunalen Wärmeplan ist die Bundeshauptstadt eigentlich gut vorbereitet, und die in öffentlicher Hand liegende Fernwärme gibt der Stadt einen regulatorischen Hebel. Bis 2030 plant Berlin, rund 3,5 Milliarden Euro in Wärmepumpen, Power-to-Heat und den Kohleausstieg zu investieren.

In dem Städte-Ranking zur Wärmewende hat Berlin 61 von 100 möglichen Punkten erreicht. Damit liegt Berlin in der Auswertung dicht bei Städten wie Budapest, Prag, Warschau und Brüssel. Der besten Werte aller untersuchten Städte erreichte Stockholm mit 92 Punkten (siehe Abbildung).

Greenpeace: Wärmeplanung in Deutschland entscheidend

Greenpeace beobachtet die Wärmeplanung in Städten besonders aufmerksam, weil sie beim Ausstieg aus fossilem Gas in Deutschland eine entscheidende Rolle spielen. Sie setzen nicht nur die Klimapolitik von Bund und Ländern um, sondern gestalten die Wärmewende: Durch Stadtplanung, kommunale Energieversorger, öffentlichen und sozialen Wohnungsbau, Sanierungsprogramme, Beschaffung und eigene Investitionen. Vergleiche können zeigen, wie unterschiedlich Kommunen diese Handlungsspielräume nutzen und wo beim Gasausstieg Nachholbedarf besteht.

„Fossiles Gas heizt Extremwetter an, treibt die Lebenshaltungskosten in die Höhe und gefährdet Europas Unabhängigkeit. Ob Europas Ausstieg aus fossilem Gas gelingt, entscheidet sich auch auf kommunaler Ebene”, so Falke. “Städte müssen ihre Wärmewende beschleunigen – damit das gelingt, muss die Bundesregierung durch klare Gesetzgebung Planungssicherheit schaffen.”

Das Greenpeace-Städteranking zur Wärmewende in europäischen Großstädten ist unter diesem Link zu finden.

Quelle: Greenpeace | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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