Stromsteuersenkung für Haushalte: Drei Milliarden Euro Entlastung
Illustration: Wolfilser / stock.adobe.comEine Stromsteuersenkung für Haushalte würde bei 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch nach Unternehmensangaben von Verivox rund 93 Euro jährlich sparen. Für private Haushalte insgesamt berechnet das Vergleichsportal eine Entlastung von rund drei Milliarden Euro. Voraussetzung ist, dass die Versorger die Steuersenkung vollständig weitergeben.
Merz kündigte am Montag nach einer Klausur des CDU-Präsidiums an, die Stromsteuersenkung auf alle Verbraucher ausweiten zu wollen. Dafür sollen finanzielle Spielräume im Bundeshaushalt genutzt werden, berichten Tagesspiegel und Zeit. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil äußerte jedoch Zweifel, ob zusätzliche Einnahmen durch Wirtschaftswachstum die dauerhafte Entlastung finanzieren können.
Stromsteuersenkung für Haushalte würde Bruttopreis mindern
Verivox legt eine Absenkung der Stromsteuer von derzeit 2,05 auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent je Kilowattstunde zugrunde. Weil auch die darauf entfallende Mehrwertsteuer sinkt, würde sich der Bruttopreis rechnerisch um rund 2,32 Cent je Kilowattstunde verringern.
Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis liegt nach Unternehmensangaben im Oktober 2026 bei 34,36 Cent je Kilowattstunde, einschließlich Grundpreis und Mehrwertsteuer. Bei vollständiger Weitergabe der Steuersenkung würde er auf 32,04 Cent fallen. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch würden die jährlichen Kosten damit von rund 1.375 auf rund 1.282 Euro sinken. Ein Paar-Haushalt mit 2.800 Kilowattstunden könnte 65 Euro sparen, ein Single-Haushalt mit 1.500 Kilowattstunden rund 35 Euro.
Für die Gesamtentlastung nutzt Verivox den Haushaltsstromverbrauch von 2024. Dieser betrug laut den vom Portal angeführten Angaben der AG Energiebilanzen rund 132,2 Terawattstunden.
ZVEI fordert schnelle Umsetzung
Der ZVEI – Verband der Elektro- und Digitalindustrie begrüßt die angekündigte Ausweitung. Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Verbands, bewertet die Stromsteuersenkung als schneller und unkomplizierter als einen Tankrabatt oder ein Klimageld. Er fordert eine zügige Umsetzung.
Verivox verweist darauf, dass CDU und SPD die Senkung für Haushalte bereits im Koalitionsvertrag angekündigt hätten.
Strompreise und Tarife beeinflussen die Elektrifizierung
Nach Angaben des BDEW gilt der europäische Mindeststeuersatz seit Jahresbeginn bereits für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, fordert eine dauerhafte Ausweitung auf alle Verbrauchergruppen. Niedrigere Stromkosten würden aus Sicht des Verbands Wärmepumpen und Elektroautos wirtschaftlich attraktiver machen.
Auch Bastian Gierull, deutscher CEO von Octopus Energy, sieht hohe Strompreise als Hemmnis für den Hochlauf von Wärmepumpen und Elektroautos. Ergänzend fordert er ein Gleichbehandlungsgebot für Bestandskunden bei Strom- und Gastarifen. Langjährige Kunden zahlen seiner Einschätzung nach häufig höhere Preise.
Die Verivox-Berechnung beziffert den möglichen Steuereffekt bei unverändertem Verbrauch. Ob die Stromrechnung entsprechend sinkt, hängt von der vollständigen Weitergabe und der Entwicklung weiterer Preisbestandteile ab.
Quelle: Verivox GmbH / ZVEI e.V. / Octopus Energy Germany GmbH / BDEW | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH