Studie: Grenznahe Elektrolyseure könnten deutschen Strom verteuern

Photovoltaik, Windenergieanlagen und ein Wasserstofftank als Symbol für die Elektrolyse.Grafik: AA+W / stock.adobe.com
Grüner Wasserstoff braucht Wind- und Solarstrom.
Welchen Einfluß grenznahe Elektrolysekapazitäten in Österreich und Dänemark 2030 haben könnten, untersucht eine Fraunhofer-Studie. Das Ergebnis: sie würden das Angebot an grünem Strom verknappen und so Strom in Deutschland moderat teurer machen.

Elektrolyseure, die außerhalb aber nahe an den deutschen Grenzen arbeiten, könnten künftig den Strom in Deutschland verteuern. Das zeigt eine Kurzstudie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE im Auftrag der IHK Flensburg. Sie untersucht konkret die Auswirkungen zusätzlicher Elektrolysekapazitäten in Österreich und Dänemark-West auf den deutschen Strommarkt im Jahr 2030.

Die Forschenden betrachteten im Modell zusätzliche Elektrolyseleistungen von einem Gigawatt (GW) in Österreich, sowie ein und drei GW in Dänemark-West. Voraussetzung der Untersuchung: Österreich und Dänemark erfüllen im Jahr 2030 das sogenannte 90-Prozent-Kriterium der europäischen RFNBO-Regelungen erfüllen. Elektrolyseure können dort damit flexibel auf Strompreise reagieren und insbesondere in Stunden mit günstiger erneuerbarer Stromerzeugung Strom aus dem Netz beziehen.

Zusätzliche Elektrolyse im Ausland erhöhe das durchschnittliche Strompreisniveau in Deutschland im Modell moderat. Ein GW zusätzliche Elektrolyseleistung in Österreich führe zu einem Anstieg von rund 0,6 Euro je MWh. Bei einem GW in Dänemark-West betrage der Effekt rund 0,5 Euro je MWh, bei 3 GW seien es rund 1,7 Euro je MWh.

Grünstrom fließt für Elektrolyse ins Ausland

Der Preiseffekt entstehe vor allem in Stunden mit hohen erneuerbaren Stromüberschüssen. Die zusätzliche flexible Nachfrage in Österreich und Dänemark nehme dann Strom zu sehr niedrigen oder negativen Preisen auf. Gleichzeitig verringere sich die Verfügbarkeit günstiger Importmengen für Deutschland. In deutschen Hochpreis- und Knappheitsstunden bleibe der Effekt dagegen begrenzt.

Auch der grenzüberschreitende Stromhandel verändere sich. Bei einem zusätzlichen GW Elektrolyseleistung in Österreich exportiere Deutschland laut der Modellrechnung netto rund 1,7 Terawattstunden mehr Strom pro Jahr nach Österreich. Bei einem Ausbau in Dänemark-West steigen die Handelsmengen ebenfalls, da die Elektrolyseure einen Teil ihres zusätzlichen Strombedarfs über das gekoppelte europäische Stromsystem deckten.

„Die Untersuchung zeigt, dass Investitionen in Elektrolyse nicht an Landesgrenzen enden“, sagt Felix Frischmuth, Projektleiter am Fraunhofer IEE. „Flexible Wasserstoffproduktion in den Nachbarländern verändert Handelsflüsse und Preisbildung auch in Deutschland. Besonders sichtbar wird dies in Stunden mit sehr günstiger erneuerbarer Stromerzeugung.“

Für die Wasserstoffwirtschaft ist dabei die Ausgestaltung der europäischen Kriterien für erneuerbaren Wasserstoff entscheidend. In Strompreiszonen, die das 90-Prozent-Kriterium erfüllen, ließen sich Elektrolyseure flexibler am Strommarkt betreiben. Dies senke in der Modellrechnung die Strombeschaffungskosten und könne zu niedrigeren Wasserstoffgestehungskosten führen als bei einer stärker an stündliche Stromlieferverträge gebundenen Betriebsweise.

Quelle: Fraunhofer IEE | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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