IEA erwartet Zubau der Photovoltaik bis 2031 um 3.600 Gigawatt
Foto: KfW-Bildarchiv / Dawin Meckel, Ostkreuz Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass die weltweit installierte Leistung zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zwischen 2026 und 2031 um knapp 4.800 Gigawatt (GW) steigen wird. Das entspreche einem Zuwachs, der nahezu 60 Prozent über dem des vorangegangenen Sechsjahreszeitraums liegt. Auf die Photovoltaik dürften mehr als drei Viertel des zusätzlichen Zubaus entfallen. Das wären rund 3.600 Gigawatt. An zweiter Stelle folge die Windenergie an Land. Das geht aus dem aktuellen IEA-Bericht Renewables 2026 hervor.
Die Verwerfungen auf den globalen Energiemärkten seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar verstärkten den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung, so die IEA in einer Mitteilung. Eine stärkere politische Unterstützung und wachsende Sorgen um die Energiesicherheit beschleunigten die Entwicklung insbesondere in Indien, Südostasien, Afrika und dem Nahen Osten.
Erstmals dürfte die zusätzliche Kapazität erneuerbarer Stromerzeugung in Schwellen- und Entwicklungsländern außerhalb Chinas im Prognosezeitraum genauso hoch ausfallen wie in den Industrieländern.
China bleibe der größte Wachstumsmarkt. Sein Anteil am Zubau dürfte jedoch aufgrund veränderter energiepolitischer Rahmenbedingungen von mehr als 60 Prozent im Jahr 2025 auf durchschnittlich 53 Prozent im Prognosezeitraum sinken.
Verdoppelung in Indien
Indien entwickelt sich zum zweitgrößten Wachstumsmarkt. Dort dürfte sich die installierte Leistung erneuerbarer Energien bis 2031 mehr als verdoppeln. Auch in Südostasien, im Nahen Osten und in Nordafrika dürfte sich die neu installierte Leistung gegenüber den vorangegangenen sechs Jahren nahezu verdreifachen.
„Bislang standen Umweltbelange im Mittelpunkt der politischen Bemühungen um den Ausbau erneuerbarer Energien”, sagt IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol. “Deren sinkende Kosten haben sie in vielen Märkten zu einer wettbewerbsfähigen Option gemacht. Heute ist es jedoch vor allem die Energiesicherheit, die den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt, da immer mehr Länder ihre Abhängigkeit von importierten Brennstoffen verringern wollen.“
Das Wachstum werde zunehmend globaler, erklärte Birol weiter. Erneuerbare Energien entwickelten sich zu einer tragenden Säule der weltweiten Stromversorgung. Bereits heute deckten sie ein Drittel der globalen Stromerzeugung ab. In den kommenden fünf Jahren dürfte ihr Anteil sich der Hälfte annähern.
70 Millionen Haushalte nutzen Dach-PV
Der Ausbau erneuerbarer Energien geht nicht allein auf große Kraftwerksprojekte zurück. In vielen Ländern treiben auch private Haushalte und kleine Unternehmen die Entwicklung voran. Angesichts hoher Brennstoffpreise und einer teilweise unzuverlässigen Stromversorgung setzen sie zunehmend auf kostengünstige und schnell installierbare Photovoltaikanlagen auf Dächern. Diese kleineren Anlagen haben laut IEA bereits die Stromversorgung von rund 70 Millionen Haushalten weltweit verbessert.
Auch im Verkehrssektor gewinnt die Nutzung erneuerbarer Energien an Bedeutung. Bis 2031 dürfte sie um mehr als 60 Prozent zunehmen. Dann könnten erneuerbare Energien sechs Prozent des weltweiten Energiebedarfs im Verkehr decken.
Rund 45 Prozent des erwarteten Zuwachses entfallen auf erneuerbaren Strom für Elektrofahrzeuge. Biokraftstoffe leisten den zweitgrößten Beitrag. Als Reaktion auf hohe Kraftstoffpreise und Versorgungsengpässe haben mehrere Länder, insbesondere in Südostasien und Lateinamerika, ihre Biokraftstoff-Beimischungsquoten erhöht. Diese schreiben den Mindestanteil von Biokraftstoffen vor, der herkömmlichem Benzin oder Diesel beigemischt werden muss. Die IEA hat ihre Prognose für Biokraftstoffe gegenüber dem Vorjahresbericht um 40 Prozent angehoben.
Der Bericht hebt außerdem die Bedeutung sicherer und diversifizierter Lieferketten hervor. Mit dem weltweit wachsenden Anteil erneuerbarer Energien steige die strategische Bedeutung einer breiter aufgestellten Produktion.
Indien entwickelt sich dabei zu einer wichtigen alternativen Bezugsquelle für Solarmodule. Sein Anteil an der weltweiten Solarmodulproduktion dürfte sich innerhalb der kommenden fünf Jahre nahezu verdoppeln und auf 17 Prozent steigen. Damit könnte das Land zur Diversifizierung eines bislang stark konzentrierten Marktes beitragen.
3.000 GW in Warteschleife
Mit dem raschen Ausbau von Photovoltaik und Windenergie steige auch der Bedarf an Flexibilität in den Stromversorgungssystemen. Die IEA sieht deshalb den Ausbau der Stromnetze als zentrale Voraussetzung für die weitere Integration erneuerbarer Energien.
Der Handlungsbedarf ist erheblich: Die weltweit in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befindlichen Erneuerbaren- und Speicherprojekte, die noch auf einen Netzanschluss warten, sind innerhalb eines Jahres um 60 Prozent auf 3.000 GW gestiegen. Das entspricht dem Vierfachen der Windenergie- und Photovoltaikkapazität, die im vergangenen Jahr tatsächlich neu an die Stromnetze angeschlossen wurde.
Parallel dazu wachse der Markt für Batteriespeicher und die flexible Stromnachfrage gewinne an Bedeutung. Digitale Technologien einschließlich künstlicher Intelligenz könnten dazu beitragen, den Stromverbrauch in Zeiten hoher Verfügbarkeit erneuerbarer Energien zu verlagern. So lasse sich das Angebot aus Wind- und Solarenergie besser nutzen.
Quelle: IEA | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH