Photovoltaik-Modulpreise steigen weiter

Zu sehen ist eine Waage, die PV-Module gegen Dollar aufwiegt als symbolische Darstellung der Preise für Photovoltaik-Module im November 2020.Foto: doomu - stock.adobe.com
Seit Jahresanfang sind die Spotmarktpreise für die meisten Typen von Photovoltaikmodulen weiter gestiegen. Sogar im Jahresvergleich zum Januar 2020 weist der Photovoltaik-Modulpreisindex, den der Solarserer mit der Handelsplattform pvXchange präsentiert, nur noch in zwei von fünf Kategorien nach unten. Hocheffizienzmodule sind demnach sogar um 3,1 Prozent teurer geworden.

Der Trend werde sich auch un den nächsten Monaten nicht verändern, meint pvXchange-Experte Martin Schachinger. Er sieht eine Vielzahl von Faktoren, die die aktuelle Entwicklung der Photovoltaik-Modulpreise beeinflussen. So gebe es neben politischen Einflüssen gebe es ein Transportproblem zwischen Asien und den restlichen Teilen der Welt. Außerdem bestünden Engpässe bei vielen für die Solarmodulproduktion dringend benötigten Materialen. Immer mehr asiatische Hersteller und Lieferanten erhöhten die Preise oder kündigen dies zumindest für die Zeit nach dem chinesischen Neujahrsfest an. Schachinger ist pessimistisch, was die derzeitige Preisentwicklung betrifft. „Dass noch etwas Unerwartetes passiert, welches die Situation verbessert und die Modulpreise wieder fallen lässt, ist nicht zu erwarten – im Gegenteil.“

Immer mehr Rohstoffe, die für eine reibungslose Modulproduktion nötig seien, würden mittlerweile knapp und damit teuer. Nicht nur um die Verfügbarkeit von Polysilizium und Solarglas sei es weiterhin schlecht bestellt. Auch bei Stahl und Aluminium, dem Material für Modulrahmen und Unterkonstruktionen werde es langsam kritisch. Die damit verbundenen Probleme seien in der Regel auf mangelnde Produktions- oder eben Transportkapazitäten zurückzuführen, die sich aber bereits im Ausbau befänden, so dass deren Lösung nur eine Frage von Monaten ist, meint Schachinger.

Edelmetalle werden knapp

Weit weniger erfreulich sieht der Experte die Situation bei Edelmetallen, weil deren Förderungs- und Verarbeitungskapazität sich nicht ohne weiteres erhöhen lasse: „Corona-bedingt fließen Gelder der institutionellen Anleger und privaten Spekulanten jetzt vermehrt in Werte wie Platin, Silber und Kupfer, aber auch andere gefragte Rohstoffe, so dass deren Börsenpreise explodieren. Dummerweise werden diese Edel- und Halbedelmetalle in der Solarzellen- und Modulproduktion eingesetzt, deren Kosten damit zwangsläufig weiter steigen werden.“

Und am Horizont sieht Schachinger ein weiteres Problem für die PV-Branche, das direkt mit dem Thema Menschenrechte verknüpft ist. Die Provinz Xinjiang im Westen von China taucht immer wieder in Berichterstattungen über Repressalien und gewaltsames Vorgehen der chinesischen Zentralregierung gegenüber der islamischen Minderheit der Uiguren auf. Dort werde ein Großteil des weltweit verfügbaren Polysiliziums produziert, also der Rohstoff aus dem alle kristallinen Solarzellen gefertigt werden.

USA drohen mit Sanktionen

In Schachingers Augen erwächst daraus ein Unsicherheitsfaktor, um den sich die europäische PV-Branche nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus humanitären Gründen kümmern sollte. Die USA hätten bereits Sanktionen gegen andere Rohstoffe aus dieser Region angeordnet, zum Beispiel gegen Baumwolle und Baumwollerzeugnisse. Nun werde überlegt, ob nicht auch der Import von Silizium verboten oder zumindest mit hohen Strafzöllen belegt werden solle. Darüber hinaus über die USA Druck auf die Europäische Union aus, es den Amerikanern gleichzutun.

Schachinger: „Eine derartige Importbeschränkung hätte möglicherweise dramatische Auswirkungen auf den weltweiten Handel mit Solarprodukten. Immerhin kommen mehr als 50 Prozent des gesamten im Reich der Mitte gefertigten Polysiliziums aus der Region Xinjiang und damit 40 Prozent des weltweit verfügbaren Rohstoffs. Einige Firmen wie Daqo New Energy, TBEA und East Hope produzieren fast ausschließlich in der betroffenen Region und können mit ihrer Großindustrie auch nicht ohne weiteres in andere Provinzen ausweichen. Dies alles passiert in einer Marktsituation, wo die Verfügbarkeiten ohnehin schon knapp sind und die Lage daher äußerst angespannt ist.“

Es bleibe abzuwarten, so Schachinger, ob von einigen Konzernen hastig herausgegebene Erklärungen und Pressemeldungen, in denen die Firmenleitung zumindest verbal größtmöglichen Abstand nimmt vom Einsatz von Zwangsarbeitern und von Menschenrechtsverletzungen generell, die Erhebung von Sanktionen gegen die Solarindustrie noch verhindern könne, solange die chinesische Regierung weiterhin die uigurische Bevölkerung inhaftiere und foltere.

Lieferkettengesetz

Schachinger meint, dass Sozialstandards immer noch einen viel zu geringen Stellenwert in unserem Wirtschaftssystem haben. Er plädiert für ein „längst überfälliges“ Lieferkettengesetz. Er erklärt: „Dies schließt noch keine echten Konsequenzen bei Verstößen ein, sorgt aber für mehr Transparenz und macht ein Greenwashing oder aber die Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeiter in anderen Regionen der Welt schwieriger, betroffene Produkte unattraktiver. Gleichzeitig kann dadurch die lokale Wirtschaft, welche mit immer höheren Umwelt- und Sozialstandards konfrontiert wird, deutlich gestärkt werden. Dies sollte in unser aller Interesse sein!“

Nicht nur die hiesige Modulhersteller muss die Situation in China interessieren. Am anderen Ende der Wertschöpfungskete arbeitet der deutsche Polisiliziumproduzent Wacker. Der konnte zwar seinen Anteil an den Chinesischen Importen 2020 deutlich ausweiten und die absolute Menge halten. Allerdings hat China im vergangenen Jahr deutlich weniger Silizium importiert als zuvor. Und Wacker sieht sich ingesamt aufgrund des Preisdrucks zu massiven Stellenstreichungen gezwungen.

Tipp: Setzen Sie sich für den aktuellen Photovoltaik-Modulpreisindex auf dem Solarserver ein Lesezeichen!

22.2.2021 | Quelle: pvXchange | Solarserver
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