Studie: Direktvermarktung von PV-Dachanlagen kostet Haushalte bis zu 277 Euro pro Jahr

Photovotaik-Anlage auf einem Einfamilienhaus in einer WohnsiedlungFoto: Guido Bröer
Die Direktvermarktung würde den Betrieb vieler PV-Dachanlagen nach einer Studie des Fraunhofer ISE unwirtschaftlich machen.
Die geplante Umstellung der EEG-Vergütung für kleine PV-Dachanlagen auf die Direktvermarktung macht den Betrieb laut einer Fraunhofer ISE-Studie unwirtschaftlich. Die Mehrkosten für einen Vier-Personen-Haushalt lägen zwischen 185 und 277 Euro pro Jahr.

Der Umstieg auf eine Direktvermarktung von Solarstrom würde die Kosten von PV-Dachanlagen gegenüber der derzeitigen fixen Einspeisevergütung für Haushalte erhöhen. Das zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE für Agora Energiewende. Für einen Vier-Personen-Haushalt in einem Bestandshaus betrügen die jährliche Mehrkosten 185 bis 277 Euro – je nach Eigenverbrauch. In der Folge würde sich der Bau einer Dachanlage vor allem für Haushalte ohne Wärmepumpe und E-Auto nicht mehr lohnen. Damit riskiere der jetzige Gesetzentwurf einen Einbruch beim Ausbau kleiner Dachanlagen, die heute rund 30 Prozent der Solarleistung ausmachen.

Gerade in Haushalten der unteren Einkommensklassen käme der Ausbau von PV-Dachanlagen vermutlich ganz zum Erliegen. Grund dafür seien vor allem die hohen Dienstleistungskosten für die Direktvermarktung von rund 140 Euro jährlich. Laut Agora müssten die Kosten für die Vermarktung des Stroms auf unter 50 Euro im Jahr sinken, damit auch Anlagen ohne hohen Eigenverbrauch in der Direktvermarktung wirtschaftlich blieben.

Die alternativ vorgesehene Nulleinspeisung, bei der die Haushalte vollständig auf die Einspeisung ins Netz verzichten, würde die Anlagen sogar noch unwirtschaftlicher machen. Die Mehrkosten für einen Vier-Personen-Haushalt im Bestandshaus würden sich auf 281 Euro bei hohem, beziehungsweise 333 Euro bei geringem Eigenverbrauch belaufen.

„Die vom Gesetzgeber vorgesehene Direktvermarktung ist derzeit noch komplex und teuer für Privathaushalte“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland. „Die Bundesregierung kann die EEG-Novelle jetzt nutzen, um die Marktintegration kleiner PV-Dachanlagen gut vorzubereiten.” Zu den Voraussetzungen gehören laut Agora etwa standardisierte digitale Schnittstellen zwischen Anlagen und Strommarkt. Eine weitere Option sei der flächendeckende Ausbau von Smart-Metern. Um das zu schaffen, brauche es auch klare Umsetzungsfristen für Netzbetreiber.

Längerer Übergang

Für den Übergang in die Direktvermarktung sieht der EEG-Gesetzentwurf aktuell zwei Jahre vor. In dieser Zeit sollen kleine Dachanlagen statt einer festen Einspeisevergütung den durchschnittlichen solaren Marktwert eines Jahres erhalten. „Mit Blick auf die erforderliche Kostenreduktion sind zwei Jahre zu knapp bemessen, um eine attraktive Direktvermarktung in der Breite zu schaffen“, sagt dazu Bläsius. „Mit einer ausreichenden Vorlaufzeit von vier Jahren lässt sich der Markteinbruch verhindern.“

Eine Verlängerung der fixen Einspeisevergütung um weitere vier Jahre würde 2030 rund 160 Millionen Euro zusätzliche Förderkosten für die Neuanlagen bedeuten. Zum Vergleich: Heute fließen jährlich insgesamt rund 8 Milliarden Euro in die Förderung aller Solaranlagen vom EEG-Konto. Der Großteil davon entfalle auf die Förderung alter Anlagen. Die EEG-Ausgaben sänken ab Anfang des kommenden Jahrzehnts auf etwa 1,5 Milliarden Euro 2035, da teure Altanlagen zunehmend aus dem Förderregime fallen.

Um die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Vergütungssysteme zu vergleichen, berechnet die Studie die Investitionskosten für PV-Anlage und Batterie, die Einnahmen sowie die verbleibenden Stromkosten über 20 Jahre. Die Wirtschaftlichkeit leitet sich aus dem Vergleich mit einem Haushalt ohne PV-Batteriesystem ab.

Quelle: Agora Energiewende | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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