Photovoltaik-Ausbau im Juli 2026: Wann startet die Jahresendrallye?
Grafik: EWSDer Ausbau der Photovoltaik in Deutschland erreichte im Juli 2026 rund 1,53 Gigawatt. Das geht aus einer Auswertung des Marktstammdatenregisters durch den Photovoltaik-Großhändler EWS hervor. Erfahrungsgemäß steigt dieser Wert durch Nachmeldungen noch weiter an, so dass im Vergleich zum Juni von einem deutlichen Aufschwung auszugehen ist (siehe Grafik). EWS geht davon aus, dass die erwarteten Einschnitte in der Förderkulisse und zukünftig unsichere Investitionsbedingungen als Folge der jetzt angestoßenen EEG-Novelle für einen Vorzieheffekt bis zum Jahresende sorgen. Viele PV-Interessierte werden versuchen, ihre Projekte noch vor dem Inkrafttreten des Reformpakets zu realisieren, um sich die bisherigen Förderbedingungen zu sichern. Dadurch ist laut EWS eine starke Jahresendrallye zu erwarten, die auf bereits heute spürbare Materialengpässe trifft.
Photovoltaik-Zubau in Deutschland im Juli 2026 auf Vormonatsniveau
In den letzten 12 Monaten lag die neu installierte Leistung in den PV-Anlagensegmenten bis 750 kW Leistung mit Ausnahme des Februars 2026 jeweils bei rund 600 MW. Auch der Juli 2026 bildet keine Ausnahme: Mit knapp 595,6 MW ordnet sich dieser vorerst zwar etwa 2 % unter dem Vormonat ein, aber mit den üblichen Nachmeldungen erwartet EWS, dass fast alle Segmente über dem Juni 2026 liegen werden. Besonders deutlich wird die Bedeutung von Nachmeldungen am Beispiel vom Mai 2026. Auch nach Ablauf der regulären Meldefrist von vier Wochen nach Inbetriebnahme stieg das das Monatsergebnis nochmals deutlich nach oben und liegt nun bei 1,52 GW. Das ist ein Plus von rund 200 MW im Vergleich zu den im Juni veröffentlichten Zahlen der Bundesnetzagentur.
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Speicherzubau. Getragen von einer stetigen Nachfrage bei den Nachrüstungen, liegen die Neuregistrierungen im Mittel rund 5 % unter dem Vormonat. Aber auch in diesem Fall geht EWS davon aus, dass die endgültigen Werte nochmals leicht höher ausfallen werden. Insgesamt haben neue Betreiber:innen bis zum Stichtag Speichersysteme mit einer Speicherkapazität von 994 MWh bei der Bundesnetzagentur angemeldet.

Ende der EEG-Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen in Sicht
Mit dem Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle hat die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für neue Photovoltaik-Anlagen ab 2027 konkretisiert. „Zwar muss der Gesetzesentwurf noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen – Anpassungen sind dabei wahrscheinlich – die Richtung ist jedoch vorgegeben: Für neue Dachanlagen soll die garantierte Einspeisevergütung schrittweise durch eine verpflichtende Direktvermarktung ersetzt werden“, sagt EWS-Geschäftsführer Jan Paul Dahm. Mit dem geplanten Redispatch-Vorbehalt müssten neue Stromerzeugungsanlagen in Netzengpassgebieten künftig einen Teil des Abregelungsrisikos tragen und auf einen Teil der Entschädigungszahlungen verzichten. Damit steigt der Anreiz, Projekte noch vor Inkrafttreten der Neuregelungen umzusetzen. Ein deutlicher Vorzieheffekt und eine starke Jahresendrallye bahnen sich an.
„Immerhin haben wir damit Klarheit und können uns als Branche darauf einstellen, auch wenn das nicht einfach wird. Die politische Bevorzugung großer Freiflächenanlagen halte ich jedoch volkswirtschaftlich für sehr fragwürdig“, so Dahm. Hintergrund der Kritik ist die zunehmende Verschiebung der Förderinstrumente zugunsten scheinbar günstigerer, großer Photovoltaik-Freiflächenprojekte. Solar-Dachanlagen werden hingegen stärker in Richtung Direktvermarktung und Marktintegration gedrängt.
Die Marktentwicklung der vergangenen Jahre macht eine solche strukturelle Verschiebung bereits deutlich. Betrachtet man die Verteilung des jährlichen PV-Zubaus seit 2022, gewinnen große Solarparks kontinuierlich an Bedeutung, während der Zubau dezentraler Photovoltaik-Dachanlagen jedes Jahr weiter zurückgeht. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Speichermarkt. Auch hier steigt der Anteil größerer Projekte am Gesamtzubau über die letzten vier Jahre exponentiell.
Relevanz der Photovoltaik-Anlagenauslegung steigt
Vor dem Hintergrund der geplanten Änderungen im EEG und der stärkeren Ausrichtung auf Direktvermarktung und Eigenverbrauch weisen Finanzexpert:innen darauf hin, dass sich eine Inbetriebnahme noch im Jahr 2026 finanziell auszahlen kann, da damit weiterhin der Anspruch auf die bisherige Einspeisevergütung über 20 Jahre gesichert wird. „Hieraus darf nicht irrtümlich abgeleitet werden, dass sich die Inbetriebnahme einer privaten Aufdachanlage ab dem kommenden Jahr nicht mehr lohnt“, sagt Dahm. Damit dies auch künftig attraktiv bleibt, müsse lediglich der ohnehin bereits gelebte Fokus auf Eigenverbrauch weitergeführt werden. Somit steigt die Bedeutung einer professionellen Anlagenplanung, während Eigenverbrauchsanteil, Speicherintegration, steuerbare Verbraucher und intelligentes Energiemanagement noch entscheidendere Stellschrauben für die Wirtschaftlichkeit werden.
„Die wegfallende Vergütung von Stromüberschüssen bedeutet nicht, dass Anlagen kleiner werden müssen, sondern dass die sinnvolle Eigennutzung und Integration der Anlage ins Heimenergienetz bereits bei der Planung berücksichtigt werden müssen“, so Dahm. „Die neu eingebrachte Schonfrist von drei Jahren ist eine trügerische Verbesserung der EEG-Novelle und darf von der Industrie nicht ausgesessen werden. Ab sofort sollte jede private PV-Anlage als Teil des Heimenergiesystems geplant und für die Teilnahme am Energiemarkt vorbereitet sein, zumindest technisch.“ Mit der geplanten Übergangsfrist von bis zu drei Jahren für neue Dachanlagen ab 2027 soll der Markt Zeit erhalten, geeignete Direktvermarktungsstrukturen aufzubauen.
Laut Dahm wäre eine übermäßige Konzentration der Nachfrage auf die letzten Monate dieses Jahres nicht wünschenswert. Sollte ein großer Teil der Interessent:innen die Inbetriebnahme noch vor dem Jahreswechsel anstreben, könnten sich bestehende Lieferengpässe weiter verschärfen. Besonders bei leistungsfähigen Batteriespeichern und steuerbaren Wallboxen für E-Autos seien bereits heute verlängerte Lieferzeiten sichtbar.
Quelle: EWS | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH