Studie: Beschäftigung in den erneuerbaren Energien auf Rekordniveau

Ein Balkendiagramm zeigt die Beschäftigung in den erneuerbaren Energien in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2025.Grafik: Bertelsmann Stiftung
Die Windenergie stellt mit 172.000 Beschäftigten mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze im Sektor der erneuerbaren Energien. Weitere wichtige Säulen sind die Biomasse mit rund 97.000 Personen sowie die Solarenergie mit einer Beschäftigung knapp unter der Marke von 90.000 Personen.
Noch nie waren so vielen Menschen in den Branchen der erneuerbaren Energien beschäftigt wie 2025. Doch der sich abzeichnende energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung könnte Tausende von Jobs gefährden, befürchten die Autor:innen einer Studie der Bertelsmann Stiftung.

Die Zahl der Beschäftigten in der Branche der erneuerbaren Energien hat 2025 mit 436.000 Personen einen Rekordstand erreicht. Das ist ein Plus von knapp vier Prozent im Vergleich zum bisher besten Jahr 2023. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Beschäftigung in den erneuerbaren Energien: Entwicklung und politische Reformen“ der Bertelsmann Stiftung. Der Blick auf die Entwicklung seit 2000 zeigt, wie stark politische Entscheidungen durchschlagen: Die Kürzung von Fördermitteln bei Photovoltaik ab 2011 und die Deckelung sowie neue Ausschreibungsverfahren bei Windkraft ab 2017 führten zu Einbrüchen bei der Beschäftigung. Der sich abzeichnende energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung könnte einen ähnlichen Effekt haben – Tausende von Jobs wären gefährdet.

Die Windenergie bleibt weiterhin der beschäftigungsstärkste Bereich innerhalb der erneuerbaren Energien. Die Zahl der Beschäftigten stieg zwischen 2023 und 2025 um rund 30 Prozent auf 172.000. Die Windenergie stellt damit mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze im Sektor der erneuerbaren Energien. Weitere wichtige Säulen sind die Biomasse mit rund 97.000 Personen sowie die Solarenergie mit einer Beschäftigung knapp unter der Marke von 90.000 Personen. An vierter Stelle folgt die Produktion und Installation von Wärmepumpen. In diesem Bereich gab es im vergangenen Jahr nach einem starken Auf und Ab rund 72.000 Beschäftigte.

Beschäftigung eng an Investitionen in die erneuerbaren Energien gebunden

Der Blick auf die vergangenen 25 Jahre zeigt, wie eng Investitionen in erneuerbare Energien und Beschäftigtenzahlen zusammenhängen. Als 2010/2011 die Investitionen auf ein Hoch von fast 28 Milliarden Euro jährlich stiegen, erreichte auch die Beschäftigung einen ersten Höchststand von 415.000 Personen. Mit den danach einbrechenden Investitionen ging auch die Stellenzahl wieder zurück. Im vergangenen Jahr erreichten die Investitionen mit 37,5 Milliarden Euro einen neuen Rekordstand, während zugleich die Zahl der Beschäftigten auf 436.000 anwuchs. „Die Beschäftigung wächst dort, wo durch Planungssicherheit private Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen“, sagt Arbeitsmarktexpertin Jana Fingerhut von der Bertelsmann Stiftung.

Um Beschäftigung zu sichern, reicht aber der Ausbau allein nicht aus. Dafür braucht es auch inländische Produktion und Herstellung, wie das Beispiel Photovoltaik beweist. „Obwohl immer mehr Photovoltaik-Anlagen installiert werden, sinkt die Zahl der Beschäftigten aktuell. Denn die Solarmodule werden im Ausland produziert. Die vor 15 Jahren noch so starke Fertigung in Deutschland ist verschwunden. Diesen Fehler dürfen wir bei der Produktion von Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Wechselrichtern nicht wiederholen. Es geht dabei nicht nur um Arbeitsplätze, sondern auch um eine strategische Unabhängigkeit im Energiebereich. Dafür braucht es eine verlässliche Energiepolitik, auch über Wahlperioden hinweg”, so Fingerhut.

Politische Kehrtwenden bedeuten unkalkulierbare Berg- und Talfahrten

Wie sensibel die Beschäftigungszahlen der erneuerbaren Energien auf veränderte politische Rahmenbedingungen reagieren, zeigt die Entwicklung bei den Wärmepumpen besonders deutlich. Nach mehr als 350.000 neu installierten Wärmepumpen im Jahr 2023 fiel der Ausbau in Folge des heftig diskutierten Heizungsgesetzes im Jahr darauf auf 200.000 Anlagen. 2025 schließlich wurden dann wieder knapp 300.000 Wärmepumpen installiert. Die Beschäftigungszahlen in diesem Sektor fielen zunächst um 28 Prozent auf 51.300 Personen, stiegen im vergangenen Jahr dann wieder auf über 72.000 Mitarbeiter:innen.

Neuer Kurs lässt Beschäftigungsschwund befürchten

Der Wärmepumpen-Knick war nicht die erste Delle für die erneuerbaren Energien. Im Solarbereich haben sich nach drastischen Förderkürzungen und dem Einbruch der inländischen Herstellung von Solarmodulen zwischen 2011 und 2013 die Beschäftigtenzahlen von 156.700 auf 70.200 halbiert. Bis 2017 gingen sie gar auf 39.900 zurück. In der Windbranche sank die Beschäftigung nach der Einführung eines neuen Ausschreibungsverfahrens und einer Deckelung des Ausbaus von 167.700 im Jahr 2016 auf 130.500 Personen im Jahr 2018, also etwa um ein Fünftel.

Umso wichtiger ist es, dass der Bund derzeit geplante Gesetzesserie von der EEG-Novelle über das Gebäudemodernisierungsgesetz und das Netzpaket bis zum Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) beschäftigungssicher ausgestaltet. Wenn kleinere Photovoltaik-Anlagen keine Förderung mehr erhalten, Unsicherheit bei der Entschädigung im Fall von Netzengpässen Investitionen in erneuerbare Energien hemmt, Gaskraftwerke anstatt Speicherlösungen gebaut werden und klare Regeln für klimafreundliches Heizen wegfallen, dann kann das wieder Arbeitsplätze kosten. „In Zeiten wirtschaftlicher Krise, in denen wir um jeden Job kämpfen, sollten wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. Wir dürfen den Ausbau der erneuerbaren Energien kein weiteres Mal abwürgen. Es geht um Jobs, um mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen und letztlich um unsere Wettbewerbsfähigkeit”, sagt Arbeitsmarktexperte Roman Wink von der Bertelsmann Stiftung.

Die Studie „Beschäftigung in den erneuerbaren Energien: Entwicklung und politische Reformen“ der Bertelsmann Stiftung ist unter diesem Link zu finden.

Jobangebote in den erneuerbaren Energien bietet die Plattform EEJobs.

Quelle: Bertelsmann Stiftung | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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